Zu Giacomo Leopardi (1798 – 1837)

»Es erwacht bald diese, bald jene Hoffnung,
und die menschlichen Dinge gewinnen wieder den Anschein,
als seien sie es wert, umsorgt zu werden – nicht für den Verstand,
aber doch sozusagen für das Gefühl unserer Seele.«
Giacomo Leopardi

Verkannt als Dichter des Pessimismus zwischen Aufklärung und Romantik, gehört Giacomo Leopardi neben Dante, Boccaccio und Manzoni zu den Klassikern der italienischen Literatur und ist das Beispiel schlechthin für den Stil einer satirisch-philosophischen, sehr poetischen Prosa, die sich in seinen Operette morali, den kleinen moralischen Schriften, vor allem in der Form von Dialogen ausdrückt. Leopardi, der die Tragödie des menschlichen Daseins und Elends und einer mangelhaften Welt in Form der Komödie behandeln wollte, war überzeugt, „dass das Lachen über unser Leiden der einzige Gewinn ist, den wir aus ihnen ziehen können, und das einzige Heilmittel, das wir gegen sie finden.“

Geboren 1798 im mittelitalienischen Recanati als Sohn eines verarmten Grafen, starb Leopardi auf mysteriöse Weise 1837 in Neapel nach lebenslangen Krankheiten, die er selbst mit dem schon als Jugendlicher begonnenen fast pausenlosen Lesen und Schreiben in der väterlichen Bibliothek begründete.

Buchempfehlung:
Giacomo Leopardi, „Opuscula moralia. Oder vom Lernen über unsere Leiden zu lachen“; Die Andere Bibliothek, 2017, Originalausgabe, nummeriert und limitiert. Mit Illustrationen, farbig bedruckter Bezug und simulierter Farbschnitt. ISBN: 978-3-8477-0389-1.

In seinen „Kleinen moralischen Werken“ hat Giacomo Leopardi die Essenz seiner langjährigen Betrachtungen über den Zustand des modernen Menschen versammelt. Es sind italienische „Minima Moralia“ aus dem 19. Jahrhundert.

Seit ihrem ersten Erscheinen 1827 in Mailand gelten die „Operette morali“ von Giacomo Leopardi als Musterbeispiel einer satirisch-philosophischen Prosakunst. Seine von Geist und Witz nur so sprühende melodisch-poetische Prosa verhandelt in originellen Fabeln und oftmals dialogischen Szenen, was Leopardi „die Absurditäten der Politik, die Misslichkeiten der allgemeinen Moral und […] die Konditionen der Welt, die Laster und Infamien nicht der Menschen, sondern des Menschen“ nennt.

Burkhart Kroeber, vielfach preisgekrönt und mit seinen Übersetzungen vor allem von Umberto Eco, Italo Calvino und Alessandro Manzoni bekannt geworden, hat seine neue Übersetzung aus dem italienischen mit ausführlichen Anmerkungen und einem Nachwort versehen. Ergänzt wird diese Neuübertragung durch einen Essay von Paul Heyse über Leopardis Weltanschauung.


Gemälde von A.Ferrazzi Recanati – Casa Leopardi

Zu Giacomo Leopardi (1798 – 1837)