Freitag, 24. August 2018 / 19.30 Uhr / Eintritt: 10,00 Euro
Ort: Auferstehungskirche am Kurpark, 32545 Bad Oeynhausen

Der Lyrik-Abend / Die Autorenbegegnung II
Gedichte für das Diesseits der Welt

Yitzhak Laor begegnet Durs Grünbein
Gesprächsübersetzung: Anne Birkenhauer / Deutsche Lesung: Thomas Streipert


(c) Itay Ben-Ezra

Yitzhak Laor

stellt seinen Gedichtband Auf dieser Erde die in Schönheit gehüllt ist und Wörtern misstraut [2018] vor.

„Denn der Werkstoff der Dichtung sind Wörter,
und diese Wörter (…) sind der Dialekt des Lebens selbst.“
[Jorge Luis Borges]

Josef Laufer wurde 1913 in einer jüdischen Familie in Bielefeld geboren. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten emigrierte er 1934 nach Israel, wurde zu Jossef Laor und heiratete seine Frau, die aus Riga in Lettland ebenfalls nach Israel emigriert war. 1948, im Jahr der Staatsgründung Israels, wurde Yitzhak Laor in dem Dorf Pardes Hannah bei Haifa geboren. Heute zählt er zu den bedeutendsten Dichtern seiner Generation in Israel. Der Weg dahin war für Laor, der zu den sprachgewaltigsten und herausforderndsten Kritikern der israelischen Palästinapolitik zählt, nicht einfach. Der studierte Literaturwissenschaftler wurde 1972 für einige Wochen inhaftiert, weil er sich weigerte, in den besetzten palästinensischen Gebieten Kriegsdienst zu verrichten. Einige seiner Werke unterlagen der Zensur. 1990 lehnte es der damalige Ministerpräsident Yitzhak Shamir ab, die Urkunde des Poesiepreises des Ministerpräsidenten zu unterzeichnen, mit der Laor ausgezeichnet werden sollte. Diesen erhielt er dann 2001. Viele Preise gingen dem voraus und folgten, zuletzt 2007 der Jehuda Amichaj Poesiepreis.
Der Dichter, Schriftsteller und Essayist Laor schreibt als Kritiker auch für Israels angesehenste Tageszeitung Ha`aretz. Wenn er seine gewaltige Stimme erhebt, dann tut er dies als Zeitgenosse einer Wirklichkeit, die für ihn von Beginn an von Gewalttätigkeit geprägt war. Im eigenen Namen zu sprechen heißt für Laor, dabei den politischen Einfluss auf die Lebensumstände des Individuums nicht auszublenden. „Dass sich das Politische im Werk Laors so zwanglos mit dem Poetischen verbindet, macht es zu einem in der zeitgenössischen israelischen Literatur Unvergleichlichem“, schrieb die Publizistin Sigrid Brinkmann. Der sprachliche Reiz seiner Gedichte liegt in dem Vermögen, auf einen jahrtausendealten Wortschatz im Hebräischen zurückgreifen zu können, den Laor unbeschwert mit modernen, mündlichen Ausdrucksformen zusammenführt. Mit großer Intimität beschreibt er Gefühle wie Schmerz, Wut aber auch Hoffnung und führt dabei Alltägliches mit Gesellschaftlichem zusammen. Wie sehr Laor in seinen Gedichten dabei um einen Ausgleich zwischen Wahrnehmung und Beschreibung ringt, zeigt der Titel seines bisher einzigen ins Deutsche übersetzten Gedichtbandes – Auf dieser Erde die in Schönheit gehüllt ist und Wörtern misstraut.

„Anders als Erich Fried, dessen sprachliche Virtuosität im Dienst politischer Aufklärung stand, besticht Yitzhak Laors Poesie durch existentiellen Ernst, indem sie, ohne in raunenden Irrationalismus zu verfallen, die Tragik des Menschseins beschwört.“
[Hans Christoph Buch, Frankfurter Allgemeine Zeitung]