Yamen Hussein im Gespräch mit SAID

Buch: SAID/Yamen Hussein, Salam Yamen – Lieber SAID [2017]

Sonntag, 25. August 2019 / 16.30 Uhr / Das Tischgespräch II / AQUA MAGICA-Park

Lieber SAID,

ich hoffe, der Schmerz ist nicht umsonst. (…) Wir sind keine Politiker, und das heißt, dass wir Unrecht und Brutalität eben nicht widerspruchslos hinnehmen.

Sprache, Kunst und Musikmüssen zur Brücke werden im Zeitalter der Grenzen. Sie müssen den Tod zur Ausnahme und das Leben zur Regel machen.“
[Yamen Hussein in „Salam Yamen – Lieber SAID“]

 

Der Dichter und Journalist Yamen Hussein wurde 1984 in Homs geboren, der drittgrößten Stadt in Syrien nach Damaskus und Aleppo. Schon früh geriet er durch regimekritische Äußerungen ins Visier der Sicherheitsbehörden. Bereits 2006 mockierte sich Hussein, der selbst Alevit ist, öffentlich über das sektenähnliche System an der Universität von Homs und beschuldigte die Regierung der Teilhabe an dem diskriminierenden System. Daraufhin wurde er der Universität verwiesen und kam für drei Monate in Gewahrsam. Aufgrund einer kritischen Berichterstattung über die repressiven Eingriffe des Staates in die Pressefreiheit wurde er 2008 erneut verhaftet. 2011 berichtete er als leitender Reporter bei Al Dunia TV vor Ort von den Protestbewegungen gegen das Assad-Regime in Homs und Hama, dem Beginn des syrischen Bürgerkrieges. Die Anhänger Assads vertrieben ihn kurz darauf aus seiner Wohnung in Al Zahra bei Homs. Da die Hetze gegen ihn immer bedrohlichere Ausmaße annahm, begann er unter Pseudonym zu publizieren. Als Mitgründer des Nabd Bündnis für die Jugend Syriens, einer friedlichen Protestbewegung, die durch mediale Berichterstattung ihren Widerstand zum Ausdruck brachte, wurde der Geheimdienst erneut auf ihn aufmerksam. Nachdem Morddrohungen gegen ihn häufiger wurden, entschloss er sich 2013 zur Flucht. Über den Libanon und die Türkei kam er 2014 nach Deutschland. „Ich habe die Flucht von meinem Großvater geerbt. Ich glaube, ich beherrsche sie gut. Er flüchtete nach Syrien, ich aus Syrien“, äußerte er sich im Berliner Tagesspiegel. Von 2014 bis 2017 wohnte Hussein als Stipendiat des Writers-in-Exile-Programms des deutschen PEN-Zentrums in München. 2018 zog er nach Leipzig, wo er heute lebt. Bereits als Kind begann er zu schreiben. Aber auch, wenn er es als positiv empfindet, in seiner jetzigen Situation eine neue Sprache, Kultur und neue Menschen kennen zu lernen, so bedeutet für ihn das Schreiben von Literatur und insbesondere Poesie, den Glauben an eine Hoffnung auf eine Zukunft nicht zu verlieren, die ihm eines Tages auch eine Rückkehr in ein friedliches Syrien erlaubt.

Was Yamen Hussein und SAID miteinander verbindet ist der unbedingte Wille, mit der Freiheit des Worts gegen die Zersetzung der Gesellschaft durch ideologische oder religiöse Gewalt und Repression anzuschreiben.


Yamen Hussein