Preis der Leipziger Buchmesse 2022

Tomer Gardi

stellt seinen neuen Roman Eine runde Sache [2021] vor.
(Lesungen und Gespräche am Nachmittag / Samstag, 27. August 2022 / Beginn: 14.30 Uhr)

Tomer Gardis neuer Roman Eine runde Sache sind eigentlich zwei Romane in einem Buch. In dem ersten auf Deutsch geschrieben Teil lässt der Autor seiner Phantasie freien Lauf, was sich nicht nur in der Handlung ausdrückt, sondern erneut in dem spielerischen Gebrauch einer gegen alle Regeln verstoßenden deutschen Sprache, seines typischen broken german, so der Titel seines ersten Buches, oder besser seines „Gardi-German“. Der Held der Handlung, Tomer Gardi genannt, wird vom Autor Tomer Gardi zusammen mit dem deutsch sprechenden Schäferhund Rex und einem ständig reimenden Erlkönig auf eine geradezu slapstickartig abenteuerliche Odyssee geschickt, die man als Reise oder als Flucht bezeichnen könnte, an deren Ende das Dreiergespann an dem gleichnishaften Ort „Bad Obdach“ angelangt, wo sie sich anschicken, vor der hereinbrechenden Sintflut eine deutsche Arche zu besteigen. Der zweite auf Hebräisch geschriebene und von Anne Birkenhauer ins Deutsche übersetzte Roman im Roman dreht sich vor historischer Kulisse um die Lebensgeschichte des indonesischen Prinzen und Malers Raden Saleh, der im 19. Jahrhundert durch Europa reiste und hier zu einer der buntesten Künstlerpersönlichkeiten wurde.

Verbunden werden beide Handlungen – die groteske, antimärchenhafte und die eher konservativ erzählte – über hochaktuelle Themenfelder wie der ständig in Bewegung sich befindende Mensch, sei er auf Reisen, sei er flüchtend, schließlich die Erfahrung des Fremdseins aufgrund einer anderen Hautfarbe oder unzureichender Sprachkenntnisse sowie die Suche nach Zugehörigkeit und das Wiederfinden des Selbst.

Anne Birkenhauer verrät auf ihrer Homepage, dass sich Gardi mit diesem Roman eigentlich einen länger gehegten Traum erfüllt habe: „Er löst damit das Dilemma, sich zwischen seinen beiden Sprachen entscheiden zu müssen“, also zwischen Hebräisch und Deutsch. Gleichzeitig stelle sich damit aber für den Autor, für die Übersetzerin und schließlich auch für die Leserinnen und Leser die Frage, was mit Wörtern, Gedanken und Gesten passiert, „wenn wir sie in andere kulturelle Kontexte übertragen? Wie erleben wir als »Einheimische« (Leser der deutschen Übersetzung) die Fremdheit der Fremden? Wie erleben wir als Migranten die Fremdheit derer, die für uns eine neue Kultur repräsentieren?“

Tomer Gardi, der 1974 im Kibbuz Dan in Galiläa in einer Familie mit ungarischen und rumänischen Wurzeln geboren wurde, kam erstmals 2004 während der zweiten Intifada nach Deutschland. Seit 2018 lebt er dauerhaft in Berlin.

»Unterwegs sein, ob nun in den Sprachen, Zeiten oder Identitäten, heißt hier immer auch: unstet und unsicher sein. Das klingt […] nach einer Allerweltsphrase, die heutzutage in jeder Kolumne zu haben ist. In Gardis Prosa gewinnt sie an dringlichem Witz, auch an schelmischer Traurigkeit.«
[Samuel Hamen, Deutschlandfunk]


Arie Kishon

Tomer Gardi