Tomasz Różycki

stellt seinen Gedichtband „Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat“ [2018] vor.

(Der Lyrik-Abend, Freitag, 28. August 2020 / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 19.00 Uhr)

Voll des Lobes schrieb Claudia Kramatschek für das Berliner Künstlerprogramm über den Dichter Tomasz Różycki, dass er jene Form von Weltliteratur schreibe, „die – man denke nur an Namen wie Witold Gombrowicz – einstmals auch aus Polen kam“. Neben Gombrowicz sind Czesław Miłosz, Zbigniew Herbert und Adam Zagajewski Namen einer langen literarischen und gleichzeitig auch gesellschaftskritischen Tradition polnischer Schriftsteller, mit denen man Różycki in Verbindung bringt. Seine 2009 ins Deutsche übersetzte lange Verserzählung Zwölf Stationen lehnt sich durch die Wahl der Versform und den Rückgriff auf geschichtliche Ereignisse eng an das 1834 entstandene polnische Nationalepos Pan Tadeusz von Adam Mickiewicz an und trifft dadurch direkt in die polnische Seele.

Tomasz Różycki, der von vielen in Polen als der wichtigste Dichter seiner Generation angesehen wird, wurde 1970 in der oberschlesischen Stadt Opole geboren. Seine Familie stammte ursprünglich aus der Ukraine, aus Lemberg, und musste zwangsweise nach Schlesien umsiedeln, das durch die Grenzveränderungen Polens nach dem Zweiten Weltkrieg zum Schauplatz von Vertreibungen und Umsiedlungen wurde. Wie tausende von Menschen wurde auch Różyckis Familie gezwungen, in Wohnungen zu ziehen, die von den vormaligen deutschen Besitzern verlassen worden waren. Die Auseinandersetzung mit dieser Herkunft, in der Fremdheit und Heimatlosigkeit die bestimmenden Hintergrundgefühle sind, zieht sich durch das Werk Różyckis, vor allem durch seine sieben bisher in Polen erschienenen Gedichtbände.

Gemeinsam mit dem Autor hat der Herausgeber und Übersetzer Bernhard Hartmann daraus eine Auswahl für eine Übersetzung ins Deutsche getroffen, die nun unter dem Titel Der Kerl, der sich die Welt gekauft hat vorliegt. Schon im Titel liegt die Ironie, mit der Różycki in freien Versen seinen Blick auf die Welt wirft. Im Bewusstsein, dass die persönliche, individuelle Erfahrung niemals völlig unabhängig von der historischen Erinnerung einer Generation gemacht werden kann, dient ihm die Beschreibung von Bildern und Szenen der Wirklichkeit, die er in einer großen Vielfalt an Themen besichtigt, dazu, die universelle Dimension des Menschlichen in den Dingen zu entdecken, zur Schärfung „des Bewusstseins, dass die Dinge ganz anders sein könnten als sie uns erscheinen“, so Bernhard Hartmann in seinem Nachwort. Auch in diesem Sinn wird Poesie bei Różycki zum Zeugnis für die Widerstände, die der Einzelne dem Leben entgegensetzt und umgekehrt.

„Und auch die Aura, die seine Kindheit umgab, färbt bis heute auf alles ab, was sich nach seinem Empfinden in einem Gedicht festzuhalten lohnt, und macht seine Lyrik zu einem einzigartigen Kaleidoskop an überraschenden Assoziationen, Reflexionen und Bildern.“
[Marta Kijowska, Frankfurter Allgemeine Zeitung]


David Tolley

Tomasz Różycki