Thilo Krause

stellt seinen Gedichtband Was wir reden, wenn es gewittert [2018] vor.

(LYRIK-ABEND: In Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt / Freitag, 26. August 2022 / Ort: Auferstehungskirche in der Innenstadt von Bad Oeynhausen / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 18.45 Uhr)

„Darin steckt für mich der Trost des Gedichts: einen Ton zu vernehmen, einer singulären Stimme zu lauschen, die sich selbst behauptet, die ein Stück Welt behauptet, es öffnet als betretbaren Raum zwischen Ich und Wir. Auch wenn dieser Raum endlos sein mag, sind wir alle stets eingeladen. Dort können wir uns begegnen, im Wissen um die Dinge, die uns trennen und jene, die uns verbinden“, sagte Thilo Krause in seiner Dankrede als er 2019 für seinen Gedichtband Was wir reden, wenn es gewittert mit dem Peter-Huchel-Preis ausgezeichnet wurde. Die Jury lobte ihn dafür, dass in seinen Gedichten „die alltäglichen Momente zur Sprache“ kommen.

In der Tat hat man beim Lesen der Gedichte von Thilo Krause die eigenen Straßen und Gassen vor Augen, durch die man täglich und durch die Jahreszeiten hindurch geht; die Gebäude, die Menschen und ihre Gesten, immer wieder die Vögel und die Natur, den Wind und das Meer – bei allem, was der Dichter wahrnimmt, merken wir, dass es auch unsere Gebäude sind, unsere Menschen mit ihren Gesten, unsere Vögel, unsere Natur, unser Wind und unser Meer. Selbst die Zeit, die Krause durchläuft und erinnert ist unsere Zeit und unsere Erinnerung: „Der Tag ist ein einziger sonnendurchfluteter Raum. / Ein Fenster geht nach gestern, eins nach morgen. / Ich schaue hinaus in beide Richtungen zugleich.“ Dieses fast körperlich, geradezu sinnlich zu spürende Phänomen liegt an der klaren, einfachen Sprache, mit der er seine Wahrnehmungen in seinen Zeilen und Versen verdichtet. Für die Leserinnen und Leser, aber wohl auch für den Dichter selbst, entsteht so ein „Mehrwert des Erlebens durch gesteigerte Wahrnehmung“, wie es in einer Buchbesprechung hieß. Die gesteigerte Wahrnehmung hängt jedoch mit der dafür gewählten Sprache zusammen, die nicht versucht, sich selbst mit Experimenten hervorzuheben, sondern mit verständigen und eindeutigen, ja leichten Wörtern arbeitet und damit besonnen und zurückhaltend dem Beobachteten und Beschriebenen ihre Aufmerksamkeit widmet.

Thilo Krause, der 1977 in Dresden geboren wurde, lebt schon lange in Zürich. Hier promovierte er als Wirtschaftsingenieur an der Eidgenössischen Technischen Hochschule. Seine Dissertation beschäftigte sich mit Methoden von künstlicher Intelligenz, Spiel- und Oligopoltheorie zur Gestaltung von internationalen Elektrizitätsmärkten. Vielleicht arbeitet Krause deshalb heute nicht ganz zufällig beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich. Für seine Debütroman Elbwärts erhielt er 2020 den Nicolas-Born-Debütpreis und den Robert-Walser-Preis.

»Texte, die sich ohne viel Gepäck auf den Weg machen, die ihre Protagonisten zugleich bewahren und aufs Neue erschaffen. Geschichten in Verlangsamung, genauso schnörkellos wie überraschend. Thilo Krause genügt es, sich an die alltäglichen Dinge zu halten, sie heraufzuholen und leuchten zu lassen.«
[Raoul Schrott]


Peter Andreas Hassiepen

Thilo Krause