Rui Zink

stellt seinen Roman Die Installation der Angst [2016] vor.

Samstag, 24. August 2019 / 16.30 Uhr / AQUA MAGICA-Park

„Guten Tag, (…). Wir kommen, um die Angst zu installieren.“

Mit dieser Begrüßung lässt der portugiesische Schriftsteller Rui Zink sein virtuoses literarisch-satirisches Kammerstück beginnen, bei dem zwei von der Regierung geschickte Installateure – der wortgewandte Bürokrat Carlos und der stillere Handwerker Sousa – vor der Türschwelle einer alleinstehenden Frau auftauchen, um ihr die unabdingbare Notwendigkeit eines festen Einbaus der Angst in ihrer Wohnung (und ihrer Seele) für das weitere Funktionieren der kapitalistischen Gesellschaft zu erklären, zu der sie ein staatlicher Erlass verpflichte: „Für das Allgemeinwohl ist unerläßlich, daß die Angst zügig und korrekt installiert wird und fristgerecht in Betrieb geht.“ Es folgt eine furiose Wortkaskade, in der vor allem Carlos mit einem Monolog in Ausmaßen eines Thomas Bernhard versucht, die Frau zu verunsichern und sie mit geradezu kafkaesken Bildern von den „Märkten“, der „Wirtschaft“, der „Welt da draußen“, dem „Wettbewerb“, den „strukturellen Reformen“, dem „Benchmarking“, dem „Downsizing“, den „finanztechnischen Innovationen“, der „Flexibilisierung“, dem „Terrorismus“ usw. usw., die nichts weiter als Floskeln sind, einzuschüchtern.

Beunruhigt wartet der Leser auf die endgültige Frage in goebbelscher Manier aus Carlos Mund: „Wollt ihr die totale Angst?“ Aber die alleinstehende Frau kommt am Ende dieser Frage zuvor und wendet das Blatt, weil sie aus einem bestimmten Schutzinstinkt heraus aufhört, sich die Angst weiterhin einreden zu lassen. Dennoch ist Die Installation der Angst „nicht weniger als der täglich aktueller werdende Roman zur Zeit“, wie der Übersetzer Michael Kegler schreibt.

Rui Zink, 1961 in Lissabon geboren, galt in den frühen 1980er Jahren durch seine ungewöhnlichen Manifestationen in der Straßentheatergruppe Felizes da Fé als künstlerischer Provokateur. Sein schriftstellerisches Debüt feierte er 1986 mit dem Roman Hotel Lusitano, der rasch zum Kultbuch wurde. Mitte der 1990er Jahre wurde er einem breiten Publikum durch seine zahlreichen Aufritte in der satirischen Fernsehsendung A noite da má língua bekannt. Dadurch und durch seine mehr als 40 Bücher genießt er in Portugal den Ruf eines scharfzüngigen Lästerers, der sich immer wieder in öffentliche Debatten einmischt. Seit Jahren lehrt er an der Lissaboner Universität portugiesische Literatur und kreatives Schreiben.

Ja, eigentlich ist Die Installation der Angst, wie Rui Zink seine Novelle nennt, schon längst erfolgt. Aber hier geht es nicht um Gespenster, Wölfe oder Spinnen, sondern um das, was man alltäglich in der Zeitung lesen, auf den Straßen hören kann. Der Roman spielt in Portugal, aber beim Lesen läuft es einem kalt den Rücken herunter, wie entlarvend der Text auch für die hiesige Wirklichkeit ist.
[Irmtraut Guschke, Neues Deutschland]


Francisco de Almeida

Rui Zink