Remo Rapino

Buch: Das wundersame Leben des Liborio Bonfiglio [2022]
Gesprächsübersetzung: Walter Kögler / Deutsche Lesung: Sylvia Wempner
(Lesungen und Gespräche am Nachmittag / Sonntag, 28. August 2022 / Beginn: 15.00 Uhr)

Neben dem Premio Strega ist der Pemo Campiello der bekannteste Literaturpreis Italiens. Im Jahr 2020 gewann ihn der 1951 in Casalanguida in der Provinz Chieti geborene Schriftsteller Remo Rapino mit seinem Roman Das wundersame Leben des Liborio Bonfiglio. Voll freudiger Überraschung, widmete Rapino den Preis seinem Vater, „der 1926 geboren wurde und 2010 starb, und ich lasse ihn zur Welt kommen und sterben als Liborio.“ Liborio Bonfiglio, der Held des Romans, kommt ebenfalls 1926 in Süditalien auf die Welt und wächst in ärmlichen Verhältnissen auf. Sein Leben, seine Abenteuer und sein Tod werden von ihm selbst am Ende seines Lebens rückblickend von 1926 bis 2010 in einer einfachen, derben, manchmal dialektdurchhauchten Sprache als Monolog in Form mündlicher Rede erzählt. Stets ist Liborio der Außenseiter und Sonderling, dem das Schicksal meistens übel mitspielt, der aber dennoch nie aufgibt, an eine bessere Zukunft zu glauben und auf diese Weise durch die Geschichte Italiens im 20. Jahrhundert stolpert. „Das Spiel des Romans ist folgendes“, erzählt Rapino in einem Interview: „Liborio ist eine imaginäre Figur, die jedoch durch die realen Fakten und die anderen Figuren, die ebenfalls real sind, mit der Realität verbunden ist. Liborio ist im Grunde eine Stimme, die durch die Geschichte geht und, indem er von sich erzählt, die Ereignisse eines Jahrhunderts und eines Landes erzählt.“ Dabei beobachtet Liborio die Welt vom Rand aus, weil er stets ein Leben am Rande führt: Als Friseur, als Fabrikarbeiter, als Sympathisant mit dem Kommunisten, als Mitglied der Gewerkschaft, als Insasse eines Gefängnisses und einer psychiatrischen Klinik. Trotz vieler Schicksalsschläge hört Liborio nie auf, das Leben mit seiner Energie, seinen Leidenschaften und Idealen zu füllen: „In jedem von uns steckt ein verborgener Liborio, deshalb sind wir Träumer, leben die Einfachheit und schätzen die wenigen Dinge, die das Leben wirklich lebenswert machen“, sagt Rapino. „Wir denken an Freundschaft, die Liebe zur Menschlichkeit, soziale Gerechtigkeit, Umweltschutz, die Bedeutung der Kultur und vieles mehr.“ Deshalb stellt das Buch, aus dem bereits ein Dokumentarfilm und ein Theaterstück entstanden sind, für den Autor auch „eine Einladung zur Gastfreundschaft, zur Akzeptanz der Vielfalt, zur Überwindung des egoistischen Ichs hin zu einem solidarischen Wir“ dar.

»Ein […] Buch von zeitloser Schönheit, … Eine Geschichte, die bewegt, die zum Nachdenken anregt, die einen an die Hand nimmt, um dem Sinn des Lebens näher zu kommen, die den Leser dazu bringt, zwischen die Zeilen zu schlüpfen, um den Lauf der Dinge zu ändern, den Helden zu umarmen, mit ihm zu lachen und zu weinen, und die ihn nach der letzten Seite ein wenig benommen und menschlicher als zuvor in die Realität zurückführt.«
[Valentina Ghidini, illibraio.it]


Basso Cannarsa

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