Raoul Schrott

Donnerstag, 22. August 2019 / 19.30 Uhr / AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark Bad Oeynhausen & Löhne
Freitag, 23. August 2019 / 15.00 Uhr / Bad Oeynhausen-Innenstadt am Colon-Sültemeyer-Brunnen

Raoul Schrott, geboren 1964, wuchs in Tunis und Landeck/Österreich auf. Er studierte Literatur und Sprachwissenschaft. Unter seinen vielen Veröffentlichungen befinden sich neben Romanen und Lyrikbänden auch Übersetzungen, Essay und Anthologien. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen und ist Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Bei den Poetischen Quellen war er zuletzt 2016 mit seinem literarisch-naturwissenschaftlichen Projekt Erste Erde Epos zu Gast.

Bei den diesjährigen „Poetischen Quellen“ kann das Publikum Raoul Schrott bei gleich zwei Veranstaltungen erleben:

Zur Eröffnung (Do, 22.08.) präsentiert er sich als Übersetzer des einzigen Romans An den Mauern des Paradieses des geheimnisvollen deutsch-französischen Autors Martin Schneitewind aus dem Französischen.

Am Tag darauf (Fr, 23.08.) stellt er dann in einer deutschlandweiten Buchpremiere seinen neuen Roman Die Geschichte des Windes oder Von dem deutschen Kanonier der erstmals die Welt umrundete und dann ein zweites und ein drittes Mal vor:

Vor 500 Jahren stach der portugiesische Seefahrer Fernando De Magellan mit einer Flotte von fünf Schiffen in See, um im Auftrag des spanischen Königs die Gewürzinseln der Molukken für das kastilische Königreich zu erobern. Dabei entdeckte er als erster die an der Südspitze Südamerikas gelegene Durchfahrt vom atlantischen in den pazifischen Ozean, die spätere Magellan-Straße. Magellans Ziel war es nicht, die Erde zu umrunden, was er selbst auch nicht schaffte, da er auf den Philippinen starb. Ein Teil seiner Flotte aber kehrte nach Spanien zurück. Darunter befand sich ein deutscher Kanonier, Hannes aus Aachen, dessen abenteuerliche Geschichte Raoul Schrott in seinem neuen Roman mit schwelgerischer Lust an der pikaresken, mal derben, mal gestelzten Sprache des Schelmenromans erzählt, der im 16. Jahrhundert in Europa aufkam. Herkömmlich handelt es sich dabei um eine meist fingierte Autobiographie. In diesem Fall hat Schrott der ebenso ereignisreichen wie tollkühnen Geschichte des Hannes von Aachen nachgespürt, der gleich zweimal die Erde umrundete, bevor er bei der dritten Umsegelung den Tod fand.

„Ich habe Ihnen hier eine Welt zu erschaffen versucht, sie enthält einen Großteil dessen, was man sich wünschen kann, Meere, Seen, Länder (…), die gewohnte und den Karneval der verkehrten Welt, das Burleske und Groteske, die menschliche Komödie, die höher einzuschätzen ist als die Tragödie, denn das Lachen fällt tiefer herab als jede Fallhöhe“, sagte Schrott vor Jahren in seiner Antrittsrede an der Sternwarte der ETH Zürich. Es liest sich wie ein vergangener Kommentar zu seinem opulenten Roman über diesen Simplicissimus der Seefahrt, der alles erlebte, was man sich von Abenteuerromanen als Jugendlicher erhofft hatte: Meutereien, Schiffbrüche, Kämpfe, erotische Abenteuer auf Südseeinseln, Menschenfresserei.

Nachprüfbar ist jedenfalls die Chronik der Ereignisse, die auf den drei ersten Weltumsegelungen, an denen der Hannes aus Aachen beteiligt war, verzeichnet wurde. Um sie – und auch die Umstände der Zeiten, die Sitten und Gebräuche – wiederzugeben, war schon einiges an Recherche nötig, (…). Aber auch das macht das Vergnügen des Schreibens aus: Die Geschichte an sich für die Geschichte zu entdecken, die man schreibt.

[Raoul Schrott über seinen neuen Roman]


Peter-Andreas Hassiepen

Raoul Schrott