Nick Thorpe

stellt sein Buch Die Donau. Eine Reise gegen den Strom [2017] vor.

Sonntag, 25. August 2019 / 18.30 Uhr / Die Autorenbegegnung IV / AQUA MAGICA-Park

Einerseits wollte ich dem westeuropäischen Leser zeigen, wie Osteuropa aussieht. Andererseits wollte ich erreichen, dass die Leute der ost- und südosteuropäischen Donauländer mehr voneinander erfahren und mehr Verständnis füreinander aufbringen. Die meisten kennen nur ihr eigenes Stückchen des Flusses. Die Donau soll als ein Fluss dargestellt werden, der Nationalitäten verbindet …
[Nick Thorpe über sein Buch „Die Donau“]

Der britische Journalist, Dokumentarfilmer und Publizist Nick Thorpe wurde 1960 in Upnor in der englischen Grafschaft Kent geboren. 1986 kam er als Korrespondent zur BBC und wurde zum ersten westlichen Berichterstatter mit Sitz in Osteuropa, in der ungarischen Hauptstadt Budapest. Seine Faszination für Osteuropa entdeckte er bereits früher: „Als ich zum ersten Mal nach Budapest kam, in einer sehr heißen Nacht im Juli 1983, bemerkte ich am Ostbahnhof, dass alle Menschen Blumen trugen. Das war eine wunderschöne erste Erfahrung. Ich bin nach Ungarn aufgebrochen, um den Osten Europas zu finden und nicht die Mitte Europas“, erzählt er im Gespräch mit seinem deutschsprachigen Verlag, Zsolnay in Wien.

1989 wechselte Thorpe vorübergehend zur Zeitung und schrieb unter anderem für den Observer, den Guardian und den Independent, bevor er 1996 zurück zur BBC ging. Hier ist er verantwortlich für Ungarn, Rumänien, Bulgarien und andere Länder der Region, einschließlich des Balkans. Er berichtete über den Fall des Kommunismus, den Zusammenbruch Jugoslawiens und den EU-Mitgliederprozess vieler Länder der Region.

Im Gegensatz zu vielen anderen reiste Thorpe die Donau stromaufwärts, „gegen den Strom“, von der Mündung des Donaudeltas ins Schwarze Meer zur Quelle nach Donaueschingen in Baden-Württemberg. Dies ist nicht nur die Richtung – von Ost nach West – aus der die ersten Siedler Europa in der Steinzeit die Zivilisation brachten, sondern auch die Richtung, aus der nach wie vor viele Migranten nach Europa einwandern. Mit seiner Reise gelingt es Thorpe, „die marginalisierten und wegen ihrer wirtschaftlichen Probleme oft verspotteten Menschen und Länder Südosteuropas in den Mittelpunkt“ zu rücken, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Im Gespräch mit den unterschiedlichsten Menschen vor Ort erfährt der Journalist viel über deren Probleme, Träume und Lebensweisen und lässt uns Leser daran teilhaben. „Ich mag das Wort Zuwanderung, ich mag aber auch Auswanderung und Durchwanderung. Wir wandern alle heutzutage. Arm ist der Mensch, der nicht wandert, aber arm auch der, der nur wandert und sein Heim nie findet“, sagt Thorpe. Sein jüngstes, in England bereits erschienenes Buch handelt genau davon: Von denjenigen, die täglich auf den Flüchtlingswegen durch Europa ziehen müssen.


Gabor MateZsolnay

Nick Thorpe