Meike Feßmann

(„Das Literarische Quartett“, Donnerstag, 27. August 2020 / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 19.00 Uhr)

Die freischaffende Literaturkritikerin Meike Feßmann weiß nur zu gut, dass sie als Literaturkritikerin eine Dienerin dreier Herren ist, die zwischen dem beschleunigten Buchmarkt, dem der Tagesaktualität und leider immer mehr auch der Erregbarkeit verpflichteten journalistischen Geschäft und der Dauerhaftigkeit wirklicher Literatur stets die richtige Balance finden muss, um letzten Endes ihren eigentlichen Gegenstand – die Literatur – nicht zu verraten. Dass dies gelingt, bezeugte ihr Sybille Fuhrmann vom Börsenblatt des Deutschen Buchhandles in ihrer Laudatio zur Verleihung des ehrenvollen Alfred-Kerr-Preises 2006 an die Literaturkritikerin, in der sie folgendes sagte: „Meike Feßmann zwingt uns zur Auseinandersetzung mit der Nähe, mit dem Intimen. Sie erlaubt sich keine flüchtige Betrachtung und sie gestattet sie auch dem Leser nicht. (…) Es geht um das klare Urteil.“

Das offene Feld der Literatur, dessen Stärke in der „Kunst der Differenzierung in allen sprachlichen Belangen“ (Meike Feßmann) besteht und dabei weit über die Sprache selbst hinausreicht, erweitert unsere Sprache. Und diese sich auf unser Seelenleben auswirkende Sprache ist es dann, die unsere Auffassung von Welt erweitert: In diesem Wittgensteinschen Sinne geht es Meike Feßmann in ihren Buchkritiken kontinuierlich vor allem um eines: Mögliche Leserinnen und Leser anzustiften, sich ihre Vorstellung von Welt mit Hilfe der Literatur erweitern zu lassen. Immer wieder geht es der Literaturkritikerin dabei um die Wiedereröffnung eines großen, intimen Resonanzraumes zwischen Autor, Leser und Welt.

Meike Feßmann, geboren 1961 in München, studierte hier und in Berlin Germanistik und Philosophie. 1991 promovierte sie über das Spiel mit der Autorschaft bei Else Lasker-Schüler. Heute lebt sie als freie Literaturkritikerin und Essayistin in Berlin und arbeitet vor allem für die Süddeutsche Zeitung, den Tagesspiegel, den Deutschlandfunk und Deutschlandfunk Kultur. 2006 erhielt sie den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik. Sie war Jurorin des Deutschen Buchpreises (2008), des Preises der Leipziger Buchmesse (2015-2017) sowie beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt (2009-2017). 2016 erschien ihr Buch Else Lasker-Schüler. Leben in Bildern im Deutschen Kunstverlag.

„Sie zeigt, dass Literaturkritik in einer atomisierten Gesellschaft, in einer Oberflächen- und Unterhaltungskultur eine wesentliche Orientierungsfunktion hat, keine geringere nämlich, als an den Zustand der Intimität zu erinnern, wie er sich, wenn wir es zulassen, über die Lektüre zwischen dem Autor und dem Leser einstellt.“
[Sybille Fuhrmann, Laudatio auf Meike Feßmann, abgedruckt im Börsenblatt 2006]


Meike Feßmann