SA, 26. 08. 2018, 11:30 / Eintritt: 7,- € TICKETS

Das Sonntagsgespräch – Forum für Demokratie:

Humanismus und Humanität im 21. Jahrhundert – Wie wir zukünftig leben wollen
Mit: Ágnes Heller, Marie Luise Knott und Mathias Greffrath; Moderation: Jürgen Keimer


(c) Anna Luhn

Mathias Greffrath

Bücher u.a.: Das Menschen Mögliche: Zur Aktualität von Günther Anders [zus. Mit Dietmar Dath; 2018; RE: Das Kapital. Politische Ökonomie im 21. Jahrhundert [als Hrsg.; 2017]

Im Einleitungsessay des von ihm herausgegebenen Buches über die politische Ökonomie des 21. Jahrhunderts macht Mathias Greffrath deutlich, wie es dazu kommen konnte, dass der Mensch in unserer gegenwärtigen his-torischen Wirklichkeit nur noch als Ressource angesehen wird, als humankapitalistischer Spielball zum Zweck des ständigen Wachstumszuwachses einer privaten, nicht regulierten Wirtschaftselite. Dahinter steht für ihn die Frage, wie der Mensch den Wert seiner Arbeitskraft – und seiner Lebenskraft – zurückgewinnen kann, also seiner Würde, in einer Welt, die alle Werte, auch den huma-nistisch-aufklärerischen Wert der Bildung zu mündigen Individuen, ausschließlich noch im perversen Sinne seiner Verwertbarkeit als Ware betrachtet. »Utopisten – so hören wir es immer wieder – seien gefährlich: Sie wollten die Menschen zu ihrem Glück zwingen«, sagt Greffrath. »Nun, die Realisten eines unhaltbaren Status Quo sind ebenso gefährlich, aber vor ihnen wird selten gewarnt. Dabei verdichtet sich die Ahnung, dass die Ordnung, die den Kapitalismus, den Warenverkehr, den Individualismus und den Wohlstand in einem Teil der Welt – auf Kosten der anderen – blühen ließ, dass diese Ordnung zerbricht.« Wie sehr gerade wir in Europa dabei sind, seit gut 25 Jahren all jene Werte zu verspielen, die in langen historischen Auseinandersetzungen immerhin zur Konstruktion eines demokratischen Sozialstaates geführt hatten, der für die Menschen da war, wird deutlich, wenn man Greffrath auf seinen Reisen durch sechs europäische Länder begleitet, die er für den Deutschlandfunk unternommen hat. Auf der Suche nach einem gemeinsamen kulturellen Erbe, das uns vor den politischen Ausbeutungen unserer Identität seitens eines neoliberalen und digitalen Homogenisierungsfaschismus sowie eines neu aufkommenden nationalistischen Antisemitismus schützen könnte, ist er nur bruchstückhaft fündig geworden.

Mathias Greffrath, 1945 geboren, studierte Soziologie, Geschichte und Psychologie. Seit über 20 Jahren schreibt er als freier Autor Artikel und Hörspiele für Rundfunk, Zeitungen und Zeitschriften. Seine Themenschwerpunkte sind die Zukunft der Arbeit und die Auswirkungen der Globalisierung auf Kultur, Gesellschaft und Demokratie. Für seine zeitkritischen, im Geist der Aufklärung verfassten Essays erhielt er 2014 den Otto-Brenner-Preis „Spezial“ für sein journalistisches Lebenswerk. Er ist Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von Attac und im PEN-Zentrum Deutschland.

»… das, was Mathias Greffrath über die Mehrwerttheorie, den Marxschen Urschleim sozusagen, und die übrige Arbeitswert-Theorie schreibt, das sollte man schon zur Kenntnis nehmen.« [Salli Sallmann, rbb Kulturradio]