Sonntag, 26.08.2018 / Beginn: 11.30 Uhr / Eintritt: 7,00 Euro
Ort: Naturbühne od. Literaturzelt im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark

Das Sonntagsgespräch – Forum für Demokratie
Humanismus und Humanität im 21. Jahrhundert: Wie wir zukünftig leben wollen

Mit: Ágnes Heller, Marie Luise Knott und Mathias Greffrath


(c) privat

Marie Luise Knott

Bücher u.a.: Verlernen. Denkwege bei Hannah Arendt [2011]; Dazwischenzeiten – 1930. Wege in der Erschöpfung der Moderne [2017]

In ihren beiden oben genannten Büchern geht es der Publizistin Marie Luise Knott letztlich darum, sich in der Fixierung auf bestimmte Augenblicke der Vergangenheit die ihnen innenwohnende Kraft der Freiheit für unsere Gegenwart wieder anzueignen, vielleicht sogar einzufordern, damit uns die Welt nicht irgendwann abhanden kommt. Dahinter steht natürlich die Frage, wie wir leben wollen, die Künstler und Philosophen im nachdenklichen, wahrnehmenden und schöpferischen Umgang mit ihrer Zeit seit jeher bewegt. Vor allem die Philosophin Hannah Arendt ist es, mit der sich Marie Luise Knott seit 1986 immer wieder intensiv beschäftigt hat. Sie kuratierte 2006 zusammen mit Barbara Hahn die Ausstellung Hannah Arendt. Von den Dichtern erwarten wir Wahrheit, die u.a. in Berlin, Frankfurt und München gezeigt wurde. 2010 gab sie den Briefwechsel zwischen Hannah Arendt und Gershom Scholem heraus.
Das zentrale Denken Hannah Arendts dreht sich dabei stets um die Möglichkeit, wie der Mensch seine Unabhängigkeit und Freiheit auch in der leicht manipulierbaren Massengesellschaft aufrecht zu erhalten vermag, ohne erneut der „Banalität des Bösen“ zu verfallen. Sie nimmt die demokratische Gesellschaft deswegen in die Pflicht, dem Individuum größtmögliche Freiräume zuzugestehen, wo keine Gewissheiten bestehen, weil nur in solchen Räumen „der Aufbruch des Wissenden ins Ungewisse“, wie Knott in ihrem Essay schreibt, beginnen kann und damit das Denken. Die Erfahrung des Ästhetischen schafft es, solche notwendigen Räume zu öffnen. Arendt beruft sich dabei auf Platon, nach dem Literatur nicht erzählt wird, um Mitgefühl anzuregen, sondern, wie Knott zusammenfasst, „im Leser (…) das Vorhandensein von Werten und Begriffen wach zu halten, um verschüttete kollektive Vorstellungen neu zu beleben.“ Aber auch das politisch aktive Handeln braucht derartige „Territorien der Freiheit“, wie sie die Literatur bietet, denn sonst, so zitiert Knott Arendt, kann „eine Gesellschaft, die sich blind der Notwendigkeit der in ihr selbst beschlossenen Gesetze anheimgibt, […] immer nur untergehen.“
Marie Luise Knott, 1953 in Köln geboren, studierte Politische Wissenschaft und Romanische Literatur und arbeitete als Verlagslektorin. Sie war Gründerin Chefredakteurin der deutschsprachigen Ausgabe von Le Monde diplomatique in der taz. Seit 2006 arbeitet sie als freischaffende Autorin, Kuratorin, Übersetzerin und Journalistin und lebt in Berlin. Hier ist sie Mitglied der Jury des Internationalen Literaturpreises, der vom Haus der Kulturen der Welt vergeben wird, sowie Mitglied der Sektion „Literatur“ beim Künstlerprogramm des DAAD.

„Knott zeigt die Tendenz dieser Epoche – eine Melange aus Aufbruch, Ausbruch und Krise. Jeder der vier Essays handelt auf seine Weise vom >Abhandenkommen von Welt<.“
[Lars Hartmann über Dazwischenzeiten, derFreitag]