Maike Albath

Bücher: Der Geist von Turin [2010], Rom, Träume [2013], Trauer und Licht [2019]

Samstag, 24. August 2019 / 20.00 Uhr / Die Autorenbegegnung IV / AQUA MAGICA-Park

Einaudi war viel mehr als die Suhrkamp-Kultur in Deutschland, Einaudi bildete bis weit in die siebziger Jahre hinein den Nukleus des italienischen Geisteslebens. Neben der sagenumwobenen Fiat-Dynastie der Agnellis, (…), entwickelte sich in Turin unter der Hand eine weitere Dynastie: die der Einaudianer, der Kontrapunkt im christdemokratischen Italien. Der Verlag stand für eine bestimmte Kultur der Schrift. Und er stand für eine moralische Haltung.
[aus: Maike Albath, „Der Geist von Turin“]

Maike Albath, 1966 in Braunschweig geboren, ist eine der renommiertesten deutschen Literaturkritikerinnen und eine ebenso ausgezeichnete Autorin wie Journalistin, deren Stimme vor allem Radiohörern bekannt ist aus der Sendung „Büchermarkt“ oder als Moderatorin des Studio LCB beim Deutschlandfunk. Am Ende ihres Studiums der Romanistik und Germanistik promovierte sie mit einer Arbeit über den italienischen Dichter Andrea Zanzotto. Sie lebte mehrere Jahre in Turin und Padua und ist eine exzellente Kennerin der italienischen Literatur und Gegenwartskultur. Für Veröffentlichungen italienischsprachiger Literatur in Deutschland ist es zumeist eine Auszeichnung, wenn sie von Albath auf den Kulturseiten der überregionalen Tages- oder Wochenzeitungen oder im Rundfunk kritisch besprochen werden. Dafür wurde sie 2002 bereits mit dem Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik ausgezeichnet.

Darüber hinaus, und das darf hoch genug eingeschätzt werden, ist Albath auch eine von wenigen Kritikern, denen die Bedeutung der Arbeit von Übersetzerinnen und Übersetzern als wichtige Kulturvermittler bewusst ist. Vom Verband der deutschsprachigen Übersetzer wurde sie deshalb 2006 mit der Übersetzerbarke ausgezeichnet. In der Laudatio über sie hieß es: „Maike Albath, und das ist das Besondere an dieser Kritikerin, bleibt immer fair, auch dann, wenn sie an einer Übersetzung etwas zu beanstanden hat. Und sie beherrscht (…) ebenso das Allegro des Lobens, das jeden Übersetzer freut, etwa, wenn sie über Alessandro Manzonis Brautleute schreibt: >Für den deutschen Leser ist Kroebers Übersetzung ein Glücksfall …<“.

Ein ebensolcher Glücksfall für alle Leserinnen und Leser sind ihre drei oben genannten Bücher. In ihnen zeigt Albath, dass es für ein ganzes Land möglich war, sich eine neue Zukunft zu erarbeiten, wenn man auf den „Schultern von Riesen“ sitzt und erwartungsfroh dem Horizont entgegenblickt. Das Zitat zu Beginn beschreibt sehr genau, wie Italien nach dem Faschismus Mussolinis durch seine Kultur, namentlich der Einaudi-Kultur, auf viel vitalere Art modernisiert wurde als es Deutschland in der Nachkriegszeit gelungen ist. Welches die „Riesen“ für Maike Albath selbst sind, kann man ebenfalls erahnen, wenn man ihre Bücher liest.


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