Sa, 25.08.2018 / 16.30 Uhr / Eintritt: 11,00 € (Nachmittagskarte!)
Ort: Naturbühne od. Literaturzelt im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark

Lesungen und Gespräche am Nachmittag zum Schwerpunkt „Zurück zur Literatur!“

José Eduardo Agualusa stellt seinen Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens [2017] vor.
Gesprächsübersetzung: Michael Kegler / Deutsche Lesung: Christina Huckle


(c) C. H. Beck Verlag

José Eduardo Agualusa

Im Juni 2017 erhielt der angolanische Schriftsteller José Eduardo Agualusa zusammen mit seinem englischen Übersetzer Daniel Hahn den mit 100.000 Euro dotierten International Dublin Literary Award für seinen ein Jahr zuvor im englischen Sprachraum erschienenen Roman Eine allgemeine Theorie des Vergessens.
Die Hauptfigur dieses wunderbaren Romans ist Ludovica Fernandes Mano, genannt Ludo. Mitte der 70er Jahre zieht sie mit ihrer Schwester Odete und deren Ehemann in die angolanische Hauptstadt Luanda in den obersten Stock eines vornehmen Hochhauses. Als die Schwester und ihr Mann in den kriegerischen Wirren des beginnenden Bürgerkrieges verschwinden, mauert Ludo sich in die Wohnung ein, in der sie die nächsten 30 Jahre mehr oder weniger unentdeckt verbringt. Sie überlebt, indem sie eine Hühnerzucht auf dem Balkon anlegt und Tauben fängt. Für deren Zubereitung verfeuert sie die Möbel, die Fußböden und, widerstrebend, die umfangreiche Bibliothek. Draußen ziehen derweil die Gräueltaten und Staatstreiche vorbei. In dieser trostlosen Zeit des angolanischen Unabhängigkeitskampfes blendet Agualusa die Schicksale weiterer Figuren ein, um so gleichzeitig das positive Leben in Form von Liebe, Solidarität und anderen Glücksfällen vorbeiziehen zu lassen. Meisterlich schafft er es dabei, die Geschicke aller Figuren lose miteinander zusammenhängen zu lassen.
1960 als Nachfahre portugiesischer Einwanderer in Huambo, der zweitgrößten Stadt Angolas, geboren, beschreibt José Eduardo Agualusa sein Angola seit Erscheinen seines ersten Romans A Conjura (dt. Die Verschwörung) im Jahr 1989. Zahlreiche Bücher sind seitdem von ihm erschienen die in mehr als 25 Sprachen übersetzt worden sind. Neben dem Mosambikaner Mia Couto und dem Brasilianer Luiz Ruffato zählt er zu den wichtigsten Autoren der lusophonen, also portugiesischsprachigen Literatur der Gegenwart.
In seiner Dankesrede zum Dublin Literary Award sagte Agualusa: „Der Gegenstand des Romans ist die Angst vor dem Anderen. (…) In den besorgniserregenden Zeiten, die wir durchleben, in dieser Welt auf der Suche nach neuem politischen Denken und neuen Idealen, ist die Angst vor dem Anderen eine Art von Flächenbrand, der von Pyromanen ausgelöst wird und uns alle zu verschlingen droht. In meinem Roman wird Ludo von einem Jungen gerettet, der ihr erlaubt zu sehen, was offensichtlich ist: Es gibt keinen Anderen. Der Andere sind immer wir selbst. Jeder Mensch ist die ganze Menschheit.“ Das sollte man nie vergessen.

Auch der deutsche Übersetzer Michael Kegler verdient ein hohes Lob, denn er hat den abwechslungsreichen Rhythmus wie auch die farbigen, poetischen Bilder großartig ins Deutsche übertragen. [Michi Strausfeld, literaturkritik.de]