Janne Teller

Bücher u.a.: Europa. Alles was die fehlt [2011]; Komm [2012]; Alles – worum es geht [2013]

Sonntag, 25. August 2019 / 11.30 Uhr / AQUA MAGICA-Park

Das Sonntagsgespräch – Forum für Demokratie: „Wie halten wir es mit Europa? – Über die Zukunft einer offenen Gesellschaft zwischen solidarischem Miteinander und ethnischem Nationalismus“

…, wo liegt das andere Europa, das, von dem du sprichst, von dem alle anderen sprechen? Das, in dem die Zivilisation sich durchgesetzt hat? Das Europa, das an einen Humanismus glaubt, der alle Menschen umfasst? Das Europa, das die Gedanken der Philosophen zu den Grundpfeilern der Gesellschaft gemacht hat? Für alle? Das mehr an die Menschen und die Demokratie glaubt als an das Geld? Das Europa, in dem Logik und Mitmenschlichkeit herrschen und nicht Gier?
[aus: Janne Teller, „Europa. Alles, was dir fehlt“]

Die Schriftstellerin und Essayistin Janne Teller wurde 1964 in Kopenhagen geboren. Sie stammt aus einer deutsch-österreichischen Familie. Lange Jahre arbeitete sie für die EU und für die UNO als Konfliktberaterin in aller Welt, vor allem in Afrika, und setzte sich in Krisengebieten für die Bewahrung der Menschenrechte ein. Seit 1995 widmet sie sich ganz der Arbeit als Schriftstellerin, fühlt sich aber weiterhin als reisende Kosmopolitin überall zuhause. Ihr Herz gehört jedoch Europa und seiner Vielfalt, als deren Bürgerin sie sich empfindet, die lieber einen europäischen Pass besäße als einen dänischen: „Egal, was unsere individuelle Nation, unsere lokale Stadt oder unser Dorf ist, egal, woher wir kommen, wenn wir jetzt in Europa leben, ist Europa unser gemeinsames kulturelles Erbe. Also, lasst uns gut für Europa sorgen“, schrieb sie im vergangen Jahr, welches unter dem Titel „Sharing Heritage“ als Jahr des Europäischen Kulturerbes gefeiert wurde. Janne Teller wurde zur offiziellen Botschafterin dieses Jahres gewählt. In einem Gespräch über ihre Rolle als Botschafterin erläutert sie die Problematik, das die Menschen in Europa zuallererst mit den Symbolen ihres jeweiligen Nationalstaates aufwachsen. Tellers Vorstellung von Europa ist eine andere: „Wenn wir allerdings beigebracht bekämen, Europäer zu sein, wenn wir lernen würden, den gleichen Stolz und die gleiche Freude gegenüber europäischen Symbolen zu empfinden – für Europas Kulturgeschichte, für seine Wahrzeichen, seine Kunst, Literatur und Musik –, wenn uns bewusst werden würde, wie eng wir auf dem Kontinent miteinander kulturell verknüpft sind, dann würde es überhaupt keine Platz geben für die absurde und gefährliche Idee des Nationalismus, (…), dann würde extremer Nationalismus sich als das entlarven, was er eigentlich bedeutet: Sich die Beine abschneiden zugunsten seiner Arme.“

Vor allem die Wertschätzung der „diskreten Qualität“ ist für Janne Teller eine wesentliche Charaktereigenschaft der Europäer und der Jugend Europas wünscht sie, dass sie aufhört „zu oberflächlichen, leeren Idealen aufzuschauen“ und begreift, „dass das Leben nicht nur aus kapitalistischem Wettbewerb besteht“, weil das heutige System nicht auf Dauer aufrechterhalten werden könne.

 


Annette Pohnert / Carl-Hanser-Verlag

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