Jan Wagner

Bücher: Selbstporträt mit Bienenschwarm [2017], Die Live Butterfly Show [2018]
(Die Autorenbegegnung III: Samstag, 27. August 2022 / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 18.45 Uhr)

Jan Wagner, 1971 geboren und nördlich von Hamburg aufgewachsen, „gehört – auch in der internationalen Wahrnehmung – zu den bedeutendsten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart“, betonte der Literaturwissenschaftler Wolfgang Braungart bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Bielefeld im Januar dieses Jahres. Als Dichtern schaffte es Wagner, der 2015 als erster Lyriker überhaupt mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet wurde und zwei Jahre darauf den renommierten Georg-Büchner-Preis erhielt, auch schon auf die Bestsellerlisten, und das ist nun wirklich sehr selten der Fall. Was steckt in seinen Gedichten, dass ihm dies gelingt? Es ist vor allem sein Anspruch, mit dem er an das Dichten geht. Auf die Frage danach zitiert er den amerikanischen Dichter Robert Frost, der sagte, dass es nie darum gehe, dem Leser etwas zu sagen, was er nicht weiß. Sondern es geht darum, ihm etwas zu sagen, was er weiß, aber nicht zu formulieren wusste.“ Das „Wiedererkennen im Unvertrauten“ sei die große Kunst der Dichtung. Viele Gedichte Wagners fangen deshalb mit einem Blick auf ganz profane Gegenstände an oder sind alltägliche Wahrnehmungen: Die „ritzen im holz“, ein nicht zu unterschätzendes Unkraut wie der „giersch“, der „stumpf“ eines gefällten Baumes oder ein „zug“, der „mitten auf der strecke“ hält. Beim Schreiben von Literatur, von Gedichten, ist sich Jan Wagner mit dem großen polnischen Lyriker Zbigniew Herbert einig, muss es vor allem um die Beschreibung von Gegenständen gehen und nicht von Träumen. Aus diesem Blickwinkel ist ihm auch kein Ding zu gering, um es zu bedichten und daraus Bilder entstehen zu lassen, aus denen „eine neue Welterkenntnis schlagartig möglich wird, weil Widersprüche zusammenfinden“. In seiner Büchnerpreisrede beschrieb Jan Wagner den Autor und Revolutionär Georg Büchner als einen „Ohren- und Augenmenschen“, der „mit beiden Händen nach dem prallen Leben“ packt. Was für eine gelungene Selbstbeschreibung!

Es ist das Universum Jan Wagner und es ist das Universum Jan Wagners: In beiden erfahren seine Leserinnen und Leser das große Glück, sich nicht verlieren, sondern in der Welt und in sich selbst finden zu können.

»Als Lyriker ist Jan Wagner fast zu viel des Guten. Einen wie ihn sollte es nicht geben. […]. Wagners Bilder, die immer überraschen und dennoch so selbstverständlich wirken, verweilen nach der Lektüre wie eine tröstliche Nachglut. […]. Man kann sich fragen, ob es nicht diese Kombination aus Ruhe und Lebhaftigkeit, Zuversicht und Verschmitztheit ist, die uns die Augen reiben und Wagners Gedichte nochmals lesen lässt, um „auf den zweiten blick“ erneut zu staunen, „zufriedenheit und so etwas wie glück“ zu empfinden …«
[Aris Fioretos, Laudatio auf Jan Wagner anlässlich der Georg-Büchner-Preisverleihung]


Nadine Kunath

Jan Wagner