Jan Koneffke

Buch: Als sei es dein [2018]

Samstag, 24. August 2019 / 18.00 Uhr / Das Tischgespräch I / AQUA MAGICA-Park

„Das Vertrauen, das Jan Koneffke in klassische Reimformen und deren persuasives Vermögen steckt, ist erstaunlich und reißt beim Lesen immer wieder mit“, schreibt die Literaturkritikerin Katrin Hillgruber über Koneffkes neuestem Gedichtband Als sei es dein. Mit ihm kehrt Koneffke nach achtzehn Jahren, in denen er fast nur Romane und Novellen veröffentlicht hat, zur Form des Gedichtes und damit zu seinen literarischen Anfängen zurück: 1987 bekam er den bekannten Leonce-und-Lena-Preis für Lyrik, woraufhin er begann, als freier Schriftsteller zu arbeiten.

Jan Koneffkes Dichten ist eine Bestandsaufnahme persönlicher Erinnerungen an sein Herkunftsland Deutschland im ersten Teil des Buches („Heimatkunde“). Es wird zu einer skeptischen gesellschaftspolitischen Inventur seiner Wahlheimat Rumänien und Mitteleuropas im dritten Teil des Buches („Achtung Ferrari Achtung Pferdekarren“), in dem er im Gedicht „Peterwardein“ den eigenen Berufsstand beißend karikiert. Im vierten Teil („Der du gewesen sein wirst“) blickt das Ich des Dichters schließlich verzweifelt-bitter aus der Zukunft auf die Gegenwart und stellt fest: „es bleibt halt wahr man kratzt an der Kultur / und findet wieder: gierige Natur / und was am Schluss von einer Lippe sinkt / das ist ein kalter Rest der stinkt“. Einzig der zweite Teil („Zipfel Massel: Déjà vu“) hebt sich ab vom Rest: Es ist eine wunderbar poetische Hommage an das Leben der Dichterin Mascha Kaléko, in dem Koneffke seine eigenen Erfahrungen mit Heimat und Herkunft widerzuspiegeln scheint.

Obwohl das Leben in der Dichtung Koneffkes eine häufige Reibung gegenüber den vorfindbaren Zuständen im Erinnern und im Hier und Jetzt mit sich bringt, mag man daran nicht verzweifeln, denn die glänzend fabulierten Verse von Koneffke bieten ein Fundament, auf denen man stehen kann, weil auch sprachliche Schönheit Heimat sein kann.

Jan Koneffke, 1960 in Darmstadt geboren, kam mit einem Stipendium der Villa Massimo 1995 nach Rom. Hier lernte er seine Frau, die rumänische Architektin Cristina Moisescu, kennen. 2003 verlegte er seinen Wohnort von Rom nach Wien, wo er in die Redaktion der Literaturzeitschrift Wespennest eintrat. Seitdem pendelt er zwischen Wien, Bukarest und dem Ort Maneciu am südlichen Karpatenrand. Koneffke, der auch als Übersetzer aus dem Italienischen und Rumänischen arbeitet, wurde 2016 mit dem Uwe-Johnson-Preis für den Roman Ein Sonntagskind ausgezeichnet.

Das Jan Koneffke ein Dichter ist, der bei aller Selbstbezüglichkeit immer wieder über sich selbst hinausreicht, um von der Welt, in der er steht, zu sprechen und über den Zustand des Landes, aus dem er kommt, in tiefernster Lakonie den Stab zu brechen, bezeugt seine Klasse als Zeitdiagnostiker, der den Vergleich mit einem anderen aus seiner Ahnenreihe, Erich Kästner, nicht zu scheuen braucht.
[Jan Volker Röhnert, Frankfurter Allgemeine Zeitung]


Johannes Kauber

Jan Koneffke