Jakub Małecki

Buch: Saturnin [2022]
Gesprächsübersetzung: Renate Schmidgall / Deutsche Lesung: Christian Ruzicska
(Freitag, 26. August 2022 / Poetische Quellen in der Innenstadt von Bad Oeynhausen / Colon-Sültemeyer-Brunnen /
Beginn: 15.00 Uhr / Eintritt frei!)

Der 1982 im polnischen Koło geborene Jakub Małecki ist nicht nur einer „der interessantesten Schriftsteller seiner Generation“, wie die polnische Gazeta Wyborcza über den jungen Autor schrieb, sondern auch ein äußerst produktiver, inzwischen mehrfach ausgezeichneter Schreiber, von dem bislang immerhin elf Romane in Polen veröffentlicht wurden. Zudem sind zwei Verfilmungen des Werks von Małecki in Vorbereitung. Mit dem Roman Rost erschien im vergangenen Jahr im Secession Verlag der erste Roman Małeckis in der deutschen Übersetzung von Renate Schmidgall, die, angetan von dem Stil und der Sprache Małeckis, auch seinen zweiten, in diesem Jahr wiederum bei Secession erschienen Roman Saturnin übersetzte.

Erzählt wird die Familiengeschichte des Icherzählers Saturnin Markiewicz. Als alleinstehender Handelsvertreter und ehemaliger Leistungssportler im Gewichtheben, inzwischen mit einem Gewicht von 118 Kilo, wohnt Saturnin in einer Einzimmerwohnung in Warschau. Das ganze Buch über stellt er sich die Frage nach der Herkunft seines seltsamen Namens „Saturnin“. Eine Antwort darauf bekommt er erst, als er eines Abends von seiner Mutter den Anruf erhält, dass sein 96jähriger Großvater Tadeusz verschwunden ist und er kurzentschlossen in sein Heimatdorf fährt, um bei der Suche nach dem Vermissten zu helfen. Dieser war stets ein seltsamer Mensch, sprach kaum, arbeitete pausenlos auf dem Feld und im Stall und hatte die merkwürdige Angewohnheit, stundenlang an einem Ort zu stehen, an dem früher angeblich ein Teich gewesen war, um darauf zu starren. Nach und nach entfaltet sich bei der Suche eine Familiengeschichte über Generationen hinweg, die die Leserinnen und Leser dabei auch aufmerksam in die jüngere Geschichte Polens einführt. Małeckis „humaner Blick und seine Vorstellungskraft machen seine Werke zu einer wichtigen, versöhnenden Stimme der europäischen Gegenwartsliteratur“, heißt es dazu im Verlagsprogramm des Secession Verlages.

Die Fäden der Familienchronik laufen schließlich beim wiedergefundenen Großvater zusammen, der am Ende sein Schweigen bricht und die Geschichte einer Freundschaft in den Tagen des Zweiten Weltkrieges erzählt, in dem ihm seine Schwester genommen und er unfreiwillig zum mordenden Partisanen wurde. Es ist auch eine Geschichte von Kriegswunden, die nie heilen und heutzutage erneut eine bedauernswerte, unfassbare Aktualität erhalten.

»Die häufigen Perspektivwechsel und Zeitsprünge in diesem glänzenden Roman sind keine ästhetischen Spielereien, sondern geben der Erzählung historische Tiefe und schaffen gleichzeitig psychologisch überzeugende Innenräume. Und nicht zuletzt die funkelnde, bildreiche, von Renate Schmidgall schöpferisch ins Deutsche gesetzte Sprache machen Saturnin zu einem überwältigenden Leseereignis.«
[Peter Meisenberg, WDR 3]


Wojtek Bialy

Jakub Małecki