Iris Hanika

stellt ihren Roman Echos Kammern [2020] vor.

(Samstag, 28. August 2021 / Beginn: 13.00 Uhr / Einlass: 12.30 Uhr)

Preis der Leipziger Buchmesse 2021

Das Buch trägt einen Titel, der erwartungsvoll stimmt, die Heldin einen Namen, der zunächst ratlos macht. Beides, Titel und Name, haben mythologische-historische Hintergründe, die im Verlauf der Geschichte immer ein wenig zwischen den Zeilen hervorschimmern. Der Titel Echos Kammern spielt auf die in Ovids Metamorphosen erzählte Geschichte zwischen dem schönen Jüngling Narziss und der Nymphe Echo an. Echo verliebt sich in Narziss, der ihre Liebe nicht erwidert, so dass von ihrer Stimme vor erschöpftem Liebesschmerz nur noch ein Nachhall übrigbleibt. Narziss stirbt schließlich aus grenzenloser Selbstverliebtheit, weil er den Anblick des eigenen Spiegelbildes nicht erträgt, das er in einer Quelle sieht. Sophonisbe, die Hauptfigur des Romans, trägt hingegen den fast gleichlautenden Namen wie die bekannteste Malerin der italienischen Renaissance, Sofonisba Anguissola, die die erfolgreichste Künstlerin ihrer Epoche war.

Kunstvoll und raffiniert nimmt uns Hanika im ersten Teil des Romans mit auf den Weg ihrer Heldin Sophonisbe, die ebenfalls Künstlerin ist, in dem Fall Dichterin. Wir begleiten sie durch Manhattan, New York, wo sie die Eingebung für ein neues Buch sucht. Auf einer Party der Pop-Königin Beyoncé lernt sie den Yale-Studenten Josh kennen, der über die Geschichte der Ukraine promoviert. Ihn trifft sie im zweiten Teil des Buches in Berlin wieder, wohin sie zurückgekehrt ist und zur Untermiete bei der wohlsituierten Roxana in der Mommsenstraße wohnt. Josh, auf dem Weg ins ukrainische Odessa, macht hier einen Zwischenstopp und schon findet Echos narzisstischer Liebesschmerz einen Widerhall in beiden Frauen.

Iris Hanika, geboren 1962 in Würzburg, wuchs in Bad Königshofen im Grabfeld auf. 1979 siedelte sie nach West-Berlin über und studierte hier in den achtziger Jahren Literaturwissenschaft und Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität. Vor Jahren sagte sie in einem Interview über sich: „Insofern wäre ich doch eine politische Autorin, weil ich meiner Meinung nach durchaus das tun sollte: Beschreiben, wie wir jetzt leben. Ich begreife mich mehr als Chronistin denn als irgendwas anderes.“ Auch Echos Kammern ist ein sehr gegenwärtiger Roman, in dem Hanika kapitalismuskritisch, aber stets in einem heiter-ironischen Tonfall, Probleme wie die Gentrifizierung oder den narzisstischen Lebensstil eines pseudo-kosmopolitischen Lifestyle-Mittelstandes beschreibt, dessen sinnentleertes Spiegelbild aus den Echokammern seines Lebens widerhallt.

»Im Gesamtwerk von Iris Hanika, aber auch insbesondere in diesem Roman, bin ich immer wieder berührt von der fluiden Intelligenz dieser Erzählerin, die soziologische Beobachtungen mit einem großen Grimm auf die Welt paart, mich dabei aber auch amüsiert. Das wird nie verbittert und eigenbrötlerisch, das ist immer auf eine angenehme Weise luftig und leicht.« [Denis Scheck, SWR-Bestenliste]


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