Ilma Rakusa

Buch: Kein Tag ohne [2022] – Deutschlandweite Buchpremiere
(Donnerstag, 25. August 2022 / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 18.45 Uhr)

„Mit Wut im Bauch, Schmerz im Herz und Sorgen im Kopf schreibt Ilma Rakusa über unsere Zeit“, heißt es in der Verlagsvorschau des Literaturverlags Droschl über Ilma Rakusas bisher umfangreichsten Gedichtband Kein Tag ohne. Wie sie selbst sagt, nimmt sie darin diesmal auch unumwunden aktuell Politisches in den Blick. Entstanden ist so eine lyrische Chronik, deren Gedichte Rakusa zwischen dem 22.10.2020 und dem 22.02.2022 schrieb. Als Nachschrift finden sich zwei weitere Gedichte, die sie unmittelbar nach Ausbruch des Ukrainekrieges verfasst hat. Die Themen der Gedichte spiegeln das Leben eines Menschen wider, der mit offenen Augen durch die Welt geht und dabei Geringes wie Gewaltiges gleichwertig wahrnimmt. Beobachtungen der Natur und Jahreszeiten stehen neben Erinnerungen an Freunde, der Geburt der Enkelin, den Befindlichkeiten der eigenen Gesundheit, Reflexionen über Lektüren und Bilder und Traumprotokollen. Spontane Aufzeichnungen stehen neben Betrachtungen politischer Ereignisse wie der Corona-Pandemie, dem Bürgerkrieg der Taliban in Afghanistan, der weißrussischen Freiheitsbewegung und deren brutaler Niederschlagung, andauernde Flucht- und Migrationsbewegungen, dem zunehmenden Abhandenkommen von Welt in der Globalisierung („und digital an allen Enden / das Handy: unsre Welt“) und schließlich dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine.

Es ist ein Schreiben, das als Selbstbehauptung der Dichterin gegen den Sturm der gegenwärtigen Ereignisse gelesen werden kann („ein Wechselbad ist diese Zeit / ihr Siegel: / Bitterkeit“), der darauf aus ist, das Individuum durch die unfassbaren Geschehnisse zu verängstigen und damit das Menschsein und die damit verbundene Eleganz des Lebens, die sich sowohl im Anstand als auch in zurückhaltender Ungezwungenheit ausdrücken kann, zu zerstören.

Auch wenn sich beim Anblick unserer Welt manchmal die Müdigkeit der Dichterin bemächtigt und Zweifel am eigenen Tun hervorruft („Gedicht, du schaffst es nicht / die Welt zu verändern“), fordert sie ihre Leserinnen und Leser mit der Hoffnung gebenden Frage heraus: „Wenn alle Seelen / wenn alle Wege / wenn alle Regungen Einsichten Freuden / gen Himmel weisen / wozu die Angst?“ und bleibt damit die „Archäologin des Lichts“, wie der slowenische Dichter Aleš Šteger sie einmal bezeichnete.

Geboren 1946 als Tochter eines Slowenen und einer Ungarin in Rimavská Sobota (Slowakei), verbrachte Rakusa ihre frühe Kindheit in Budapest, Ljubljana und Triest. 1951 übersiedelte sie mit den Eltern in die Schweiz. Bis heute lebt sie in Zürich, wo sie als Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Publizistin und Übersetzerin arbeitet.

»Leuchtende, mit florettleichter Seele geschriebene Gedichte einer großen Zauberin, traumsicher, spielfreudig, anmutig und reich an Mysterium, selbst angesichts finsterster Tage unserer Neuen Gegenwart.«
[Clemens J. Setz]


Giorgio von Arb

Ilma Rakusa