Grand Tour

Freitag, 23. August 2019 / 19.30 Uhr / Auferstehungskirche am Kurpark Bad Oeynhausen

Europa lebt – vielleicht nicht immer im mühsamen politischen Geschäft, dafür umso mehr als Kontinent mit einer jungen, ungeheuer lebendigen Lyrikszene. Davon zeugt die Anthologie „Grand Tour“. Jan Wagner und Federico Italiano haben hierfür in sieben virtuellen Reisen durch Europa diesen vielstimmigen poetischen Kosmos zwischen den Buchdeckeln versammelt. Auch selbst machen sie sich auf den Weg und besuchen zwölf – mit dem zusätzlich hinzugekommenen Internationalen Literaturfest „Poetische Quellen“ von Bad Oeynhausen & Löhne dreizehn literarische Orte zwischen Brüssel und Belgrad, Leukerbad und Lemberg, Rom und Kopenhagen. Dort treten sie gemeinsam mit Dichterinnen und Dichtern der „Grand Tour“ in Lesungen und Gesprächen auf.

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung dankt allen Mitwirkenden, Unterstützern und Partnern, die diesen poetischen Austausch möglich machen.

Die Lesetournee beginnt im März 2019 und endet im September 2020.

Einen Überblick über die Veranstaltungsreihe finden Sie hier:

www.deutscheakademie.de/grand-tour

Die genauen Daten, Uhrzeiten und Veranstaltungsorte finden Sie auf den jeweils angegebenen Webseiten.

 

Gedichte sprechen uns dann an, wenn sie in uns einen Raum öffnen, in dem wir gleichzeitig selbst stehen und auf uns schauen können. Ein solcher Raum bedarf der Stille und wird durch die Klarheit, die Anschaulichkeit, die Schönheit und den Klang der Sprache errichtet, die damit ein Gefühl der Offenheit hervorzurufen vermag. Eine Offenheit, die sowohl Zweifel als auch Freude, Anstrengung als auch Leichtigkeit, Nachdenklichkeit als auch Gelassenheit, Erinnerung als auch Vergessen, ein Gespür für die Vergangenheit als auch ein Hoffen auf Zukünftiges in sich vereint. Die Räume, die uns Gedichte offenbaren, sind also keine Räume des Entweder – Oder. Es sind Sprachräume der Vieldeutigkeit, der Verschiedenheit und damit der Vervielfältigung unseres eigenen Lebens, die uns die Freiheit lassen, in ihnen zu lesen, was wir wollen. Es sind Sprachräume, die keine Zäune errichten, sondern stattdessen das Vertrauen auf unsere alles überbrückende Vorstellungskraft einfordern. Damit schaffen 26 Buchstaben – in manchen Sprachen mehr, in manchen weniger – ,geformt zu Verszeilen, heutzutage offenbar viel mehr als die Europäische Union mit ihren 28 Mitgliedsstaaten imstande ist, zu vollbringen: Nämlich der Vielheit zu vertrauen und die Unterschiede in den möglichen Lesarten des Lebens als Gewinn für das eigene Leben zu betrachten. Denn die einzige Nation, die es gibt, ist das Zusammenleben aller. Vielleicht kann man dies auch als „poetische Vernunft“ bezeichnen, der Dichterinnen und Dichter aus ganz Europa zum Ausdruck verhelfen wollen.

Dichter wie Margarida Vale de Gato, Marko Pogačar und auch Federico Italiano sind dafür beispielgebend.


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