Gaetano Biccari

Buch [als Herausgeber und Übersetzer): Pier Paolo Pasolini in persona [2022]
(Das Tischgespräch Ii: Sonntag, 28. August 2022 / Beginn: 16.30 Uhr /)

In der Nacht vom 1. auf den 2. November wurde Pier Paolo Pasolini in Ostia auf grausame Weise ermordet. Nur wenige Stunden davor gab er dem Journalisten Furio Colombo sein letztes Interview. Wie viele weitere Interviews Pasolinis, die bislang kaum in einer deutschen Übersetzung erhältlich waren, ist dieses aufschlussreiche Interview zusammen mit vielen anderen Gesprächen und weiteren Selbstzeugnissen anlässlich des 100. Geburtstages des wirkmächtigen italienischen Intellektuellen – Pasolini wurde am 5. März 1922 geboren – in dem von Gaetano Biccari herausgegebenen Buch Pier Paolo Pasolini in persona enthalten. Wie der Titel aussagt, bringt das Buch seinen Leserinnen und Lesern Pasolini sehr persönlich nah: Es zeigt ihn in der leidenschaftlichen Unwiderstehlichkeit seiner Argumentationen ebenso wie in seinen enttäuschten Feststellungen über den Irrweg einer in Konsumrausch und Oberflächlichkeit zerrinnenden Gesellschaft. Hier wie dort verblüfft es mit der Zeitgemäßheit seiner Aussagen und bietet mit der gut ausgewählten Vielfalt der versammelten Quellen eine hervorragende Einführung in das Denken eines ebenso widerständigen wie widersprüchlichen europäischen Intellektuellen, dessen Wiederlektüre gerade in unserer Zeit der Angst vor dem falschen Ausdruck alleine deshalb lohnenswert ist, weil sich hier ein Mensch in seiner verzweifelten Liebe zu den anderen Menschen und ohne Rücksicht auf sich selbst traut, in naiver, ehrlicher Aufrichtigkeit die Lügen und Bigotterien der Gesellschaft zu entblößen und dafür wahrhaftig seinen „Körper in den Kampf“ zu werfen, denn „wie die Taten des Lebens Ausdruck sind, ist auch der Ausdruck Tat.“

Gaetano Biccari wurde 1963 in Neapel geboren. Nach dem Studium der Modernen Fremdsprachen und Literaturen in seiner Geburtsstadt sowie Forschungs- und Lehrtätigkeiten an deutschen und italienischen Universitäten promovierte er am Institut für Theaterwissenschaft an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main über konservativ-revolutionäre, faschistische und nationalsozialistische Theaterdiskurse in Deutschland und Italien. Seit 1992 veröffentlichte er viele theater- und literaturwissenschaftliche Bücher, Essays und Artikel u.a. über Heiner Müller und zum Werk Pasolinis. Als Gymnasiallehrer, Dramenautor, Theaterregisseur und Schlagzeuger lebt und arbeitet er in Offenbach am Main.

»Die Lektüre der hier versammelten Interviews, ein „Mischgenre“ (Biccari), ist ein Genuss. Pasolinis Beiträge haben immer Bekenntnischarakter und rühren, oft von unscheinbaren Symptomen ausgehend, an die großen Fragen des 20. Jahrhunderts: Zerfall der Ideologien, Zerstörung der Vergangenheit, Entwicklung der Sexualität. Mit diesem Band begleitet der Leser Pasolini durch sein Leben und Werk.«
[Peter Kammerer, Das Argument]


Gaetano Biccari