Mittwoch, 22. August 2018 / 19.30 Uhr / 15,00 €
Ort: Auferstehungskirche am Kurpark, 32545 Bad Oeynhausen

Der Auftakt
„LA CATASTROFA“ORATORIUM FÜR MARCINELLE
Eine Bergbaugeschichte. Eine musikalische Reise in die Vergangenheit.
Eine Lehre für die Zukunft.

Mit:
Etta Scollo & Ensemble, Udo Samel, dem Projektchor „La Gioia“
und einer Einführung mit Paolo Di Stefano und Annette Kopetzki


(c) Luca Lucchesi

Etta Scollo & Ensemble

„La catastrofa“ – Oratorium für Marcinelle

 

Es ist ein der dunkles Kapitel der italienischen und europäischen Nachkriegsgeschichte: Am 8. August jährte sich zum 62. Mal die Bergwerkskatastrophe von Marcinelle in Belgien, bei der 262 der unter katastrophalen Bedingungen arbeitenden Bergleute starben. Unter den Opfern von 1956 waren 126 italienische Gastarbeiter. Basierend auf dem Buch „La Catastrófa“ von Paolo Di Stefano hat die sizilianische Sängerin und Komponistin Etta Scollo die Ereignisse und Emotionen von damals in ein beeindruckendes Oratorium gegossen, das sie bei den „Poetische Quellen“ erst zum dritten Mal in ihrer Wahlheimat Deutschland auf die Bühne bringen wird. Vor Beginn des Oratoriums wird Paolo Di Stefano erstmals in Deutschland im Gespräch mit der Übersetzerin Annette Kopetzki Auskunft über sein Buch geben.

Gemeinsam mit dem Schauspieler und Sprecher Udo Samel rekonstruiert Etta Scollo die Ereignisse aus Prozessakten und Verhören, verwebt diese mit den Aussagen von Überlebenden, Rettern und Angehörigen, und greift in ihren Kompositionen die emotionale Intensität der alten Volkslieder auf. Die Toten – genauso wie die Überlebenden und Hinterbliebenen – bekommen hier eine Stimme und am Ende wird aus dem Tod eine wunderbare Hymne an das Leben. Begleitet wird Etta Scollo dabei von Cathrin Pfeifer am Akkordeon, Eva Freitag am Cello und dem Projektchor “La Gioia” aus der Region. Historische Bilder des tragischen Geschehens sowie deutsche Untertitel für die auf Italienisch gesungenen Texte werden projiziert.

 

 

Etta Scollo

Die Sängerin und Komponistin Etta Scollo wurde in Catania, der zweitgrößten Stadt Siziliens, geboren. Seit Mitte der 1990er Jahre lebt sie vorwiegend in Deutschland. In Erinnerung an die sizilianische Volkssängerin Rosa Balistreri widmete Scollo ihr 2005 das musikalische Projekt Canta Ro, wofür sie u.a. mit dem Premio Pino Veneziano und dem Weltmusikpreis Ruth ausgezeichnet wurde. Seit dieser Zeit verstärkte sich ihr Interesse an der Erforschung, Verarbeitung und Neuinterpretation der musikalischen Traditionen Siziliens, wobei es ihr stets ein Anliegen ist Musik mit Dichtung und Literatur zu verbinden. Dabei verschließt sie nie die Augen vor den Missständen und Ungerechtigkeiten der Gegenwart. 2013 trat sie mit dem Programm Lunaria mit Texten des sizilianischen Schriftstellers Vincenzo Consolo auch beim 12. Internationalen Literaturfest „Poetische Quellen“ auf. Für die Kunstinstallation „Lampedusa 351“ komponierte sie zwei Lieder für die im Mittelmeer umgekommen, namenlos gebliebenen Flüchtlinge. Mit ihren bisher 15 veröffentlichten Musikalben, ihrer Zusammenarbeit mit international bekannten Musikern wie Franco Battiato, Paolo Fresu oder Markus Stockhausen sowie durch zahlreichen Tourneen und Auszeichnungen zählt Etta Scollo zu den beliebtesten italienischen Künstlerinnen in Deutschland und Europa.

 

 

Besetzung:

 

Gesang und Gitarre: Etta Scollo

Libretto: Paolo Di Stefano, Leonardo De Colle und Etta Scollo

Sprecher: Udo Samel

Violoncello: Eva Freitag

Akkordeon: Cathrin Pfeifer

Chor: Projektchor “La Gioia”

Leitung: Christiane Schmidt; Stimmen: Beate Bertram, Claudia Freytag, Susanna Traut (Sopran), Kristina Bock, Dorothee Kollmann, Sabine Niedermeyer (Alt), Jonas Brandt, Bernd Wiedmann (Tenor), Harald Sieger, Thomas Streipert (Bariton), Peter Barth, Martin Bock, Maik Hummert (Bass)

Projektion: Anna Karsten

Übersetzung: Barbara Basile, Andreas Neufert und Annette Kopetzki

 

 

„Wie kann es sein, dass einem über 60 Jahre nach dem Grubenunglück die Tränen in die Augen steigen? (…) In einer Zeit, da Europa auseinanderzubrechen droht, da die südlichen Nationen unter der Brüsseler und Berliner Austeritätspolitik leiden, erinnert die in Berlin lebende sizilianische Komponistin und Sängerin an ein europäisches Unglück. Sie zeigt, dass diesem Europa der Märkte das menschliche Gefühl fehlt.“

[Rüdiger Schaper, Der Tagesspiegel, Berlin]