Samstag, 25.08.2018 / 20.15 Uhr / Eintritt: 10,00 Euro
Ort: Naturbühne od. Literaturzelt im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark

Das Autorenporträt II: „Der magnetische Norden – Erinnerungen eines Europäers“

Der litauische Literaturnobelpreiskandidat Tomas Venclova im Gespräch mit Ellen Hinsey
Gesprächsübersetzung: Holger Ehling / Deutsche Lesung: Thomas Streipert


(c) Adine Sagalyn

Ellen Hinsey

Bücher: Des Menschen Element, Der magnetische Norden und Mastering the Past [alle 2017]

„Ich denke, dass die Welt einen fast unerträglichen Druck auf uns ausübt. Wir leben unter der Last äußerer Kräfte, Weltereignisse, Katastrophen und unter der Last unseres eigenen inneren Kampfes mit der Bandbreite menschlicher Emotionen: Hoffnung, Verlangen, Sexualität, Angst, Spiritualität. Diese Welten drehen sich ständig in uns. Die Poesie ist ein Spiegelbild dieses chaotischen Raumes, aus dem die Erkenntnis, wie ein wundersamer sprechender Fisch, gelegentlich aus unserer gelebten Erfahrung an die Oberfläche auftaucht“, sagte Ellen Hinsey 2011 in einem Interview. Diese Einsicht entsprang nicht zuletzt der Tatsache, dass Hinsey seit mehr als zwei Jahrzehnten in ihrer schriftstellerischer Arbeit immer an der Schnittstelle von Geschichte, Philosophie, Literatur und Politik ihre Stimme erhebt.
Im vergangenen Jahr stellte sie bei den Poetischen Quellen ihren damals erschienenen Gedichtband Des Menschen Element vor, in dem sie eine unglaublich musikalisch-bildhafte Sprache für das Unsagbare findet, das dann eintritt, wenn der Wegfall ethischer Aspekte die Türen für die Abgründe des menschlichen Daseins weit öffnet. Ebenfalls im vergangenen jahr erschien ihr vielgelobter Essayband Mastering the Past, der bisher aus unverständlichen Gründen noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde. In diesem Buch beschreibt sie in einer Sammlung von Augenzeugenberichten und Gesprächen den Aufstieg eines regressiven und autoritären Illiberalismus in Mittel- und Osteuropa, oder, um es mit Tomas Venclova auszudrücken „der Wiedergeburt rückständiger nationalistischer Haltungen in Osteuropa“. Trotz dieser Feststellung gibt Hinsey die Hoffnung aber nicht auf, dass der menschliche Geist auch unter den verheerendsten Umständen einen Weg finden kann, die Möglichkeit für menschlichen Anstand, ein Verständnis für das Gute, die Fähigkeit, die Wahrheit auszusprechen, und die Kraft der Liebe zu erneuern.
Hinsey, 1960 in Boston, Massachusetts, geboren, entdeckte die Literatur nach einem Studium der Bildenden Kunst an der Tufts University in Boston als Autodidaktin. 1987 zog sie nach Paris, studierte Literatur an der Université Paris VII. und unterrichtete dann an der Ecole Polytechnique. Seit über dreißig Jahren lebt sie nun schon in Europa und fand hier einen Hintergrund für ihr Schreiben, der eine ständige Bewegung auf der Suche nach Wahrheit und Zeugenschaft ist.
Die Besucherinnen und Besucher der Poetischen Quellen kennen Ellen Hinsey bereits aus dem Vorjahr, wo sie beim Lyrik-Abend ihren Gedichtband Des Menschen Element präsentierte.

„Seit 1989 reist Ellen Hinsey durch Deutschland, Russland, Ungarn, Polen und die Tschechische Republik und übersetzt ihre Erfahrungen aus dem Tumult der Nachkriegspolitik des Kalten Krieges in diese intellektuell rigorosen und moralisch dringenden Essays. Hinsey ermutigt uns zu der von Hannah Arendt geäußerten zaghaften Hoffnung, dass >vielleicht das Denken selbst uns helfen kann, die Gefahren zu überleben<.“
[Susan McKay, The Guardian]