Elisa Diallo

stellt ihr Buch Französisch verlernen [2021] vor.

(Samstag, 28. August 2021 / Beginn: 15.00 Uhr)

Seit Michel de Montaigne weiß man, dass auch der Essay eine literarische Form darstellt, der in seiner sprachlichen Genauigkeit und Gewandtheit die Leserinnen und Leser zum gewollten Mit- und Nachdenken herausfordert. Zu den bestimmenden Eigenschaften des Essays zählt die oftmals sehr persönliche Herangehensweise des Suchens und Nachfragens in der Auseinandersetzung mit einem bestimmten Thema, die sich einerseits der Vielschichtigkeit der Wirklichkeitserfahrung bewusst ist und andererseits allen dogmatischen Glaubens- und Wissenssystemen entgegentritt, denn den Kern eines Essays bildet die unbedingte Offenheit des Denkens. Alles dies trifft en detail auf das im Februar auf Deutsch erschienene Buch Französisch verlernen von Elisa Diallo zu, welches zwei Jahre davor unter dem Titel Fille de France in Frankreich herausgekommen war. Der deutsche Untertitel des Buches lautet Mein Weg nach Deutschland, womit Diallo ihren Weg zur deutschen Staatsbürgerschaft meint, die sie 2017 bekommen hat. Der Weg dahin bildet nur den Rahmen der sehr persönlichen wie wohltuend abwägenden Beschäftigung der Autorin mit der Frage des Dazugehörens von Menschen mit migrantischem Hintergrund, die unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger sind. Ohne Polemik und mit feiner Beobachtungsgabe stellt das Buch gleichzeitig eine Auseinandersetzung mit dem Rassismus in Europa, insbesondere in Frankreich und Deutschland dar, der aufgrund der unterschiedlichen historischen Entwicklung beider Länder sehr von ihrer jeweiligen Fähigkeit abhängt, mit Selbstkritik umgehen zu können und das Gemeinsame zwischen den Menschen dabei nicht mit dem Gleichartigen zu verwechseln.

Elisa Diallo wurde 1976 in Paris geboren, wo sie als Tochter einer Bretonin und eines aus Guinea stammenden Vaters aufwuchs. Nach dem Studium der Geschichtswissenschaft zog Diallo in die Niederlande, wo sie Niederlandistik und Literaturwissenschaften studierte. Nach ihrer Promotion über französische postkoloniale Literatur kam sie 2009 nach Deutschland. Heute wohnt sie mit ihrer Familie in Mannheim und arbeitet für einen Frankfurter Verlag. Seit 2017 besitzt sie neben der französischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft. An einer Stelle gegen Ende ihres Essays schreibt sie: „Wir haben heute in Deutschland die Möglichkeit etwas zu erschaffen. […]. Warum sollten wir nicht eine Gesellschaft werden, in der Kosmopolitismus, Diversität, Komplexität wieder positive Werte sind? In diesem Moment sehe ich keinen Grund, nicht daran zu glauben. Also glaube ich daran.“

»In Diallos Buch geht es aber um viel mehr als nur um den deutsch-französischen Vergleich im Umgang mit Rassismus und Rechtsextremismus. Es ist eine tiefgründige Reflexion über Identität, Zugehörigkeit, Heimat.«
[Isabelle Hartmann, Bayerischer Rundfunk, BR 5]


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