Daniela Danz

stellt ihren neuen Gedichtband „Wildniß“ [2020] vor.

(Der Lyrik-Abend, Freitag, 28. August 2020 / Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 19.00 Uhr)

Fast kann man sicher sein, dass im Abstand von fünf, sechs Jahren ein neuer Gedichtband von Daniela Danz erscheint. Nach Pontus (2009) und V (2014) ist Wildniß die dritte Gedichtsammlung, die im Göttinger Wallstein Verlag erscheint. Für Auszüge daraus wurde Danz bereits im vergangenen Jahr mit dem Deutschen Preis für Nature Writing ausgezeichnet. „Ihre Beschreibungen von den verlassenen Rändern der Welt mitten in Europa fragen in Bildern aus dem Tier-, Pflanzen- und Mineralienreich wie es weitergeht, wenn die Menschen an ihrem Fortschritt zugrunde gehen“, heißt es in der Begründung der Jury.

Der Begriff der Natur, der „Wildniß“, wird von Danz immer auch symbolisch aufgeladen: Er steht ebenso für die vom Menschen kultivierten Landschaften und Räume, einstmals aufgeladen durch Mythen und Geschichte, die nun unterzugehen und die menschliche Gemeinschaft zu zerstören drohen. So sehr sich die Autorin der lyrischen Traditionen bewusst ist, so gegenwärtig sind ihre Gedichte, in denen sich ein Gespür für die Zeit und eine sehr genaue gesellschaftspolitische Beobachtungsgabe offenbaren: „… aber allgemein ist / es ruhig in den Städten die Bewegungen / der Leerverkäufe und Derivate blitzen auf / und verschwinden bis eines abstürzt und / zerschellt inmitten einer Wohnung die ihre / Bewohner sich nun nicht mehr leisten / können …“

Letzten Endes ist Wildniß ein lyrischer Weckruf, dass wir uns unserer Körperlichkeit und unseres unvollendeten und unbestimmbaren Menschseins wieder bewusst werden, denn nur dann erwartet uns eine Zukunft: „Wie müssen aushalten zu wissen, / dass wir auf nichts gebaut haben. Wir müssen / mit allen Möglichkeiten leben. / Wir wünschen uns die Erzählung zurück, von der Zukunft, / …“

Daniela Danz, die zu den wichtigsten Lyrikerinnen und Lyrikern dieses Landes zählt, wurde 1976 in Eisenach geboren und lebt im thüringischen Kranichfeld. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik in Tübingen, Prag, Berlin, Leipzig und Halle und promovierte über den Krankenhauskirchenbau der Weimarer Republik. Seit 2002 arbeitet sie als freiberufliche Autorin und Kunsthistorikerin. Neben mehreren Gedichtbänden umfasst ihr schriftstellerisches Schaffen auch Romane, Essays und Kinderbücher. Im Rahmen ihres Interesses für die Förderung des literarischen Nachwuchses gründete sie 2010 die internationale Schülertextwerkstatt „solvi“. Seit dieser Zeit hat sie auch einen Lehrauftrag an der Universität Hildesheim inne. Daniela Danz ist Mitglied der Mainzer Akademie der Wissenschaften und Literatur und leitet seit 2013 das Schillerhaus in Rudolstadt.

„Daniela Danz’ Gedichte öffnen erstaunlich große sprach-, kultur- und literaturgeschichtliche Hallräume.“
[Beate Tröger, der Freitag]


Nils-Christian Engel

Daniela Danz