Freitag, 24. August 2018 / 15.00 Uhr / Eintritt: frei
Ort: Innenstadt von Bad Oeynhausen neben dem Colon Sültemeyer-Brunnen

Die Verlagsvorstellung
Der Berliner Guggolz Verlag stellt sich vor


(c) privat

Claudia Sinnig

Übersetzerin

„Aus dem Litauischen zu übersetzen ist nicht schwerer als aus dem Französischen. Aber es ist eine ungeheure formenreiche, differenzierte Sprache, das macht jede Übersetzung herausfordernd“, sagt die für ihre hervorragenden Übersetzungsarbeiten aus dem Litauischen bekannte Übersetzerin Claudia Sinnig.
1965 geboren, wuchs sie in Gotha auf. In Leipzig studierte sie Russisch und Englisch und ab Herbst 1989 in Vilnius die litauische Sprache. Im selben Jahr war sie Mitbegründerin des Lithuanian Review, der ersten unzensierten englischen Zeitung Litauens. 1990 wurde sie Mitarbeiterin für das erste frei gewählte litauische Parlament.
Als freie Autorin und Übersetzerin arbeitet sie seit 1992, dem Jahr ihrer Promotion. Mit Antanas Škėma und Tomas Venclova übersetzte sie zwei der wichtigsten litauischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Tomas Venclova begegnete sie zum ersten Mal 1999 in Moskau, wo sie auch die Herausgabe seines ersten russischen Lyrikbands vorbereitete. Seither hat sie zahlreiche seiner Gedichte und Essays ins Deutsche übersetzt.
2002 erschien ihr literarischer Reiseführer Litauen, der viel mehr als ein Reiseführer auch ein Geschichtsbuch der komplizierten litauischen Historie ist.
Auf die Frage, weshalb litauische Litertaur in Deutschland nahezu unbekannt sei, sagt sie:
„Litauen ist ein kleines Land, und die Deutschen schauen sicher eher auf größere Länder. Wenn ihr Blick dann doch auch einmal auf kleinere Staaten fällt, dann haben die, wie die Niederlande, bereits ein bestimmtes Image. Ich denke, dass vielen die Beschäftigung mit litauischer Kultur einfach zu mühsam ist. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion wurden die neu entstandenen Staaten vielfach nicht wirklich für sich betrachtet, sondern immer noch als Komplex „ehemalige Sowjetunion“. Dabei hätte uns diese Literatur sehr viel zu sagen, weil die Menschen einfach akuter der Geschichte ausgesetzt waren und daher für viele Dinge ein ausgeprägtes seismografisches Bewusstsein haben.“