Christian Ruzicska

(Freitag, 26. August 2022 / Poetische Quellen in der Innenstadt von Bad Oeynhausen / Colon-Sültemeyer-Brunnen /
Beginn: 15.00 Uhr / Eintritt frei!)

Am 18. August 2009, vor 13 Jahren, wurde der Secession Verlag für Literatur von Christian Ruzicska und der vom Ammann Verlag kommenden Susanne Schenzle gegründet, die heute ihren eigenen Verlag leitet. „Wir haben uns mit der Gründung dazu entschieden, hochwertige Literatur machen zu wollen und dieser hochwertigen Literatur auch eine hochwertige Form, sprich: Materialien zu geben“, sagte Ruzicska in einem Gespräch beim Deutschlandfunk. Diesem Anspruch ist der Verleger bis heute treu geblieben.

Angefangen hatte alles mit dem Roman Mein Leben in Aspik von Steven Uhly, einem ehemaligen Studienfreund von Ruzicska aus Bonner Universitätstagen. Das erste Verlagsprogramm enthielt 2010 neben dem Buch von Uhly drei internationale Titel, mit dem der Verlag dank des öffentlichen Erfolges von Uhlys Roman in die Zukunft gehen konnte. Mit dem Roman Die Summe des Ganzen ist in diesem Juni inzwischen der siebte Roman von Uhly bei Secession erschienen. Ruzicska, der als Verleger auch Übersetzer, Lektor und Pressemensch im Verlag ist, sagt über das Verlagsprogramm: „Genauer betrachtet handeln unsere Romane immer von den Fragen und Wirrnissen menschlicher Identität.“

Insgesamt zeichnet sich das Programm durch internationale Vielfalt aus: Europäische Klassiker wie der Italiener Primo Levi, die Ungarin Magda Szabó, der Schwede Lars Gustaffson oder die Französin Hélène Bessette finden sich ebenso wie der französische Prix Goncourt-Preisträger Jérôme Ferrari oder junge Schriftsteller, die im Secession Verlag erstmals ins Deutsche übersetzt wurden wie die jungen italienischen Autoren Vincenzo Latronico und Nicola Lagioia, die französische Publizistin Geraldine Schwarz (Gast der Poetischen Quellen 2019), die portugiesische Autorin Dulce Maria Cardoso oder eben auch der polnische Schriftsteller Jakub Małecki.

Nach dem Weggang von Susanne Schenzle im Jahr 2013 rückte Joachim von Zepelin als Mitverleger an ihre Stelle. Er war mitverantwortlich dafür, dass seit 2019 zum einen die Reihe Femmes de Lettres mit bedeutenden, aber vergessenen emanzipatorischen Texten von Frauen aus dem 17. und 18. Jahrhundert bei Secession erscheint sowie die auf 15 Bände angelegte Handliche Bibliothek der Romantik. Inzwischen hat auch von Zepelin Anfang des Jahres den Verlag verlassen, konnte aber 2021 noch miterleben, wie der Verlag mit dem mit 35.000 Euro dotierten Großen Berliner Verlagspreis ausgezeichnet wurde.

»Mich interessiert gar nicht so sehr die Frage, ob ich vom Verlag leben kann. Ich tue das. Was mich eigentlich interessiert, ist, eine Institution etablieren zu können im Laufe der Zeit, die wie ein Magnet funktioniert. Und wo die Themen, die wir über unsere Bücher rausgeben, angereichert zurückkommen.«
[Christian Ruzicska in der Sendung „Büchermarkt“ im Deutschlandfunk]


Mathias Bothor

Christian Ruzicska