Christian Berkel

stellt seinen Roman Der Apfelbaum [2018] vor.

Samstag, 24. August 2019 / 15.30 Uhr / AQUA MAGICA-Park

Im Mai 2017 bekam der Philosoph Rüdiger Safranski den Ludwig-Börne-Preis. Alleiniger Preisrichter für die Auszeichnung war Christian Berkel, der auch die Laudatio hielt. Darin kam er auf die Einsamkeit zu sprechen und sagte: „Die Rede ist von der Fremdheit in uns, von den inneren Grenzen, die wir errichten, um nicht die süße Anstrengung unternehmen zu müssen, mit uns selbst bekannt zu werden.“ In seinem ersten Roman unternimmt Berkel diese Anstrengung, wobei das Gefühl der Fremdheit bei ihm im Alter von sechs Jahren im Garten unter einem Apfelbaum erwacht als er von den jüdischen Wurzeln seiner Familie erfährt. Der Anlass, vor Jahren mit Nachforschungen zur Familiengeschichte und schließlich mit dem Schreiben zu beginnen, war der Drang, die inneren Grenzen zu überwinden, um sich mit der Empfindung des Fremdseins im eigenen Leben auseinanderzusetzen. Wie bei so vielen liegt der Grund dieser Empfindung auch bei Christian Berkel in der eigenen Familie begründet. Die hat es allerdings in sich bei ihm und hätte nicht nur zu einem Roman, sondern wohl auch zu einem Film genug Stoff geboten.

Berkel erzählt seine Familiengeschichte über drei Generationen. Im Mittelpunkt stehen seine 1919 geborene Mutter Sala Nohl und sein 1915 geborener Vater Otto Berkel. Beide begegnen sich 1932 zum ersten Mal und verlieben sich ineinander. Während der Zeit des Nationalsozialismus muss Sala aus Deutschland fliehen. Nach dem Zweiten Weltkrieg emigriert sie nach Argentinien. Otto wird Soldat, kommt an die Ostfront und kehrt erst 1950 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurück. 1955 treffen sich beide in Berlin wieder und heiraten. 1957 wird Christin Berkel geboren.

Es wäre ein Missverständnis, den Roman als Aufarbeitung von Zeitgeschichte zu lesen. In dem Bewusstsein das jedes Erzählen ein Vorgang ist, „durch den wir Realität erschaffen“, so Berkel, ging es ihm darum, mit einem Blick aus der heutigen Zeit auf die Vergangenheit zu sehen und zu fragen, wie diese Vergangenheit sich auf ihn ausgewirkt hat. Da Der Apfelbaum zugleich die Geschichte einer Liebe ist, stellte sich für Berkel eine weitere wichtige Frage: „Wie die Zeit in eine Liebe eingreift und umgekehrt, was die Liebe mit dieser Zeit macht.“

Der Schriftsteller Christian Berkel ist dem breiten Publikum natürlich vor allem als großartiger Schauspieler bekannt. Er spielte in vielen internationalen Filmproduktionen wie „Der Untergang“, „Black Book“, „Operation Walküre“, „Inglorious Bastards“ oder „Elle“ unter Regisseuren wie Quentin Tarantino, Paul Verhoeven und Oliver Hirschbiegel. In der Fernsehserie „Der Kriminalist“ ist er seit 2006 zu sehen.

Natürlich könnte dieser große Schauspieler einen Schriftsteller spielen, aber in Wirklichkeit ist er einer. (…). Er beschreibt, wie brüchig, wie fragil unsere Lebensläufe sind und wie zweifelhaft und gleichzeitig wie wichtig jedes Erinnern ist.
[Annemarie Stoltenberg, NDR Kultur]


Gerald von Foris

Christian Berkel