„Auf den Schultern von Riesen“

Samstag, 24. August 2019 / 20.00 Uhr / Die Autorenbegegnung IV / AQUA MAGICA-Park

Mit: Maike Albath, Roberto Cotroneo, Annette Knoch, Annette Kopetzki, Michael Scholz

Also sprach Bernhard von Chartres, wir sind wie Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen, sodass wir mehr als sie und weiter sehen können, nicht weil wir scharfsichtiger oder größer wären, sondern weil die Größe der Riesen uns hochhebt und über sie hinausschauen lässt.
[aus: Umberto Eco, „Auf den Schultern von Riesen“]

Ausgangspunkt der dritten Autorenbegegnung am Samstagabend bei den „Poetischen Quellen“ ist der berühmte, dem mittelalterlichen Denker Bernhard von Chartres zugeschriebene Ausspruch: „Wir sind wie Zwerge, die auf den Schultern von Riesen sitzen.“ Jeder von uns hat seine Riesen, Meister aus der Vergangenheit und der Gegenwart. Von Ihnen lassen wir uns inspirieren und anregen. Beflügelt davon, auf ihren Schultern sitzen zu können, erhalten wir die Möglichkeit, weiter zu sehen als ohne sie.

Wie unser Kulturpartner, das Literaturfest Eventi Letterari Monte Verità in Ascona im schweizerischen Tessin, gehen wir davon aus, dass es irgendwann ein Schlüsselproblem unserer Zivilisation darstellen wird, wenn unsere Beziehungen zur Tradition, zu Meistern und Klassikern in dieser Welt nicht mehr für bedeutsam erachtet werden, eine Welt also, die scheinbar vorhat, ohne diese Riesen auszukommen und auf Veränderungen und Erneuerungen ohne jeden kulturellen Hintergrund, ohne Grundsätze und Haltungen setzt.

Es gibt keinen großen Geist, dem nicht bewusst ist, dass er in einer Reihe anderer steht, einer Reihe von ideellen Müttern und Vätern, denen gegenüber er Achtung und Dankbarkeit zeigt und die er bewundert, wenigstens aber zutiefst schätzt.

Indem wir unsere Beziehung zu den Riesen der Vergangenheit – Schriftstellern, Philosophen, Wissenschaftlern, Künstlern und Musikern – nachspüren, spüren wir uns selbst nach und befragen uns nach unserer Rolle in dieser Welt, nach unserem Schaffen und nach unserer Zukunft als Bürger, Intellektuelle, Künstler und ganz einfach auch als Mensch im Zusammenleben mit anderen Menschen und Lebewesen auf dieser Erde.

In einer Zeit, in der „die Koordinaten fehlen und man nicht sehr gut in die Zukunft sieht, weshalb man die Listen der Vernunft und die unmerklichen Komplotte des Zeitgeists noch nicht versteht“ (Umberto Eco), ist es gerade eine vielschichtige Auseinandersetzung mit den Riesen, die uns auf ihren Schultern sitzend ermöglicht, weiter zu sehen, um neue Wege, Ideen und Gedanken zu entdecken.

Unseren Gästen stellen wir Fragen danach, welche Werke und welche Gedanken über das Schreiben ihr eigenes Schreiben beeinflusst haben. Mit welchen Meistern aus der Vergangenheit und Gegenwart sie sich immer wieder oder erstmals auseinandersetzen? Wer auf intellektuelle, ethische und praktische Weise Einfluss auf sie ausgeübt hat und schließlich auch, wen oder was sie heranwachsenden Generationen heute ans Herz legen würden?


Auf den Schultern von Riesen