Freitag, 24. August 2018 / 15.00 Uhr / Eintritt: frei
Ort: Innenstadt von Bad Oeynhausen neben dem Colon Sültemeyer-Brunnen

Die Verlagsvorstellung
Der Berliner Guggolz Verlag stellt sich vor


(c) Guggolz Verlag

Veranstaltung zu:
Antanas Škėma

Antanas Škėma wird 1910 im damals zum Russischen Reich gehörenden polnischen Łódź geboren, wohin sein Vater, ein litauischer Lehrer, versetzt worden war. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs flieht die Familie ins russische Hinterland, Škėma durchlebt eine traumatische Kindheit, zunächst in Woronesch und dann während der russischen Revolution in der Ukraine. 1921 kehrt die Familie in das nun unabhängige Litauen zurück. 1929 beginnt Škėma in Kaunas Medizin, später Jura zu studieren. Ab 1935 widmet er sich zunehmend dem Theater, er arbeitet als Schauspieler, später auch als Regisseur am Staatstheater Vilnius. 1944 flieht er vor der sowjetischen Besatzung nach Deutschland, wo er, wie Zehntausende seiner Landsleute, mehrere Jahre in Displaced Persons Camps lebt. 1947 veröffentlicht Škėma einen Kurzgeschichtenband und verfasst erste Dramen, 1949 siedelt er in die USA über, wo er seinen Lebensunterhalt als Fabrikarbeiter und Liftboy verdient. In litauischen Exilkreisen engagiert er sich im Theater, verfasst zahlreiche Beiträge für Zeitungen und Zeitschriften der Emigrantenpresse und publiziert zwei weitere Novellenbände, Essays und Gedichte.
1954 erschien sein einziger Roman Das weiße Leintuch, der als erster litauischer Roman der literarischen Moderne gilt. Mit kraftvoller, expressiver Sprache wird hier das Schicksal des vor den Sowjets in die USA geflohenen Antanas Garšva erzählt, der ebenfalls als Liftboy seinen Lebensunterhalt verdient und in einem Wechsel von Erinnerungen und Reflexionen über die triviale amerikanische Konsumgesellschaft seinen dramatischen Lebensweg zu verarbeiten sucht.
Wegen seiner existenziellen Themen wird Škėma als »litauischer Camus« bezeichnet. 1961 stirbt er bei einem Autounfall in Pennsylvania.
Heute zählt das Werk von Antanas Škėma zu den Kronjuwelen der litauischen Literatur.

Garšva erlebt der Leser dieses süchtig machenden, hinreißend geschriebenen Romans nämlich als eine Art Tausendsassa. (…) Hier hat Sebastian Guggolz nun einen besonderen Leckerbissen an Land gezogen, dessen Attraktivität sich nicht zuletzt der virtuosen Übersetzung von Claudia Sinnig verdankt. [Tilman Krause, Die Welt]