Sa, 25.08.2018 / 14.30 Uhr / Eintritt: 11,00 € (Nachmittagskarte!)
Ort: Naturbühne od. Literaturzelt im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark

Lesungen und Gespräche am Nachmittag zum Schwerpunkt „Zurück zur Literatur!“

Andrea Scrima stellt ihr Buch Wie viele Tage [2018] vor.


(c) Alyssa DeLuccia

Andrea Scrima

Dieses Buch ist ein Roman und ist es auch wieder nicht. Die äußere Handlung ist rasch erzählt: Eine junge Künstlerin, die in Staten Island, New York aufgewachsen ist, zieht in den 1980er Jahren in die Lower East Side und von dort nach Berlin, wo sie heute noch lebt. Vermutlich von diesem äußeren Raum bricht sie auf zu einer Reise an vergangene Orte und zu vergangenen Menschen und Objekten, um vor dem Hintergrund einer erneuten Wahrnehmung ihrer Erinnerungen in der Gegenwart ihrer Identität ein haltbares Gerüst zu geben. Die Frage, die sie sich dabei stellt, lautet, auf welche Weise unser Leben von dem bestimmt wird, was aus allen erfahrenen Erfahrungen und erlebten Erlebnissen in der Erinnerung zurückbleibt.
Wie viele Tage ist das erste Buch von Andrea Scrima, die 1960 in New York City geboren wurde. Hier studierte sie Bildende Kunst an der School of Visual Arts. 1984 kam sie mit einem Stipendium nach Berlin, wo sie an der Hochschule der Künste ihr Studium fortsetzte und seither lebt. Bevor sie sich entschied, sich ausschließlich der literarischen Arbeit zu widmen, hat sie viele Jahre als bildende Künstlerin gearbeitet.
Wie viele Tage erschien in der amerikanischen Originalausgabe bereits 2010 unter dem Titel A Lesser Day in den USA. „A Lesser Day ist ein Tag, an dem der Film zu wenig für das billige Fotolabor aufzeichnet, um mehr als ein körniges, graues Bild zu produzieren – ein Tag, der irgendwie weniger ist als andere, weil er kein klares Bild liefert“, sagte Andrea Scrima in einem Interview und vergleicht dies mit einer Lücke in der Erinnerung, die unser Verständnis des eigenen Lebens beeinträchtigt oder verdeckt, so das etwas verloren geht. In ihrem Buch macht sich die Hauptfigur deshalb auf die Suche, um die verborgenen Lücken zu finden. „Ich denke immer, dass die Realität dort ist, wo sie sich im Zwischenraum zwischen einem Gedanken und dem nächsten, einer Wahrnehmung und einer anderen versteckt“, sagt Scrima. Mit einer faszinierenden Genauigkeit und Aufmerksamkeit erzählt Andrea Scrima von diesen Zwischenräumen, die sie in den scheinbar nebensächlichen Dingen und unbestimmten Augenblicken des Alltags entdeckt. Damit findet sie einen Weg, „eine Geschichte zu schreiben und trotzdem das Gefühl der Unbestimmbarkeit zu bewahren“ und „eine zwischen den Zeilen liegende Ausstrahlung der Fremdheit und Schönheit des Lebens“ sichtbar zu machen.

„Das ist hohe Kunst und beweist den Reichtum dieses Buchs, dem es gelingt, sich von allen Belangen der Selbstbehauptung zu lösen und einen Raum zu schaffen, in dem man als Leser tatsächlich den Eindruck hat, genauer denken, deutlicher sehen zu können. Empfindsamer zu sein.“ [Elisabeth Wagner, TAZ. Die Tageszeitung]