Sonntag, 26.08.2018 / Beginn: 11.30 Uhr / Eintritt: 7,00 Euro
Ort: Naturbühne od. Literaturzelt im AQUA MAGICA Landschafts- und Kulturpark

Das Sonntagsgespräch – Forum für Demokratie
Humanismus und Humanität im 21. Jahrhundert: Wie wir zukünftig leben wollen

Mit: Ágnes Heller, Marie Luise Knott und Mathias Greffrath


(c) Georg Hauptfeld

Ágnes Heller

Bücher u.a.: Was ist komisch? [2018]; Eine kurze Geschichte meiner Philosophie [2017]; Von der Utopie zur Dystopie [2016]; Die Welt der Vorurteile [2014]; Der Mensch der Renaissance [1982, 1988]

Sie gehört zu den bedeutendsten Philosophen des 20. und 21. Jahrhunderts: Die 1929 in Budapest geborenen Ágnes Heller. Ihr Leben ist es, das ihre Philosophie gestaltete: Extrem beweglich, widersprechend und Widersprüche herausfordernd sowie auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit bestehend. Hellers Familie entsprang dem jüdischen Bürgertum. Während der Zeit des Nationalsozialismus entging sie nur knapp dem Holocaust, dem ihr Vater und viele Verwandte zum Opfer fielen. Nach dem Krieg studierte sie Philosophie an der Budapester Universität, war Schülerin und Assistentin von György Lukács und gehörte der „Budapester Schule“ an, die sich um Lukásc herum entfaltete. Wie bei Tomas Venclova war es auch bei ihr die Erfahrung des Ungarnaufstandes von 1956, die dazu führte, dass sie sich vom menschenverachtenden System des Kommunismus abwandte, indem sie ihn mit einer linken Kritik begegnete. Nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Paktes in Prag 1968 wurden die Repressionen gegen Heller, die sich an einer Resolution gegen den Einmarsch beteiligte, ausgeweitet, so dass sie 1977 nach Australien emigrierte. Von dort ging sie nach New York und erhielt 1986 die Hannah Arendt-Professur an der New York School for Social Research.
„Schreiben, Nachdenken, Sprechen, das ist mein Leben“, sagt Ágnes Heller, die nach wie vor zu Vorträgen und Gesprächen um die Welt reist. Die ständige Frage, die sie umtreibt, erscheint früh in ihrem Denken: Wie kann der Mensch in einer sich verändernden Welt frei handeln? Wie gelingt es ihm, seine Willensfreiheit aufrecht zu erhalten, von der sie in ihrem Werk Der Mensch der Renaissance schrieb, das der freie Wille „eher ein bildlicher Ausdruck für die Möglichkeit des Freiwerdens ist.“ Dafür bedarf es Alternativen, Wahlmöglichkeiten, die notwendig sind, damit der Mensch sich ein sinnvolles Leben, eine Individualität und damit ein eigenes Schicksal selbst schaffen kann. Heller, die den rein wissenschaftlichen Zugang zur Philosophie ablehnt, interessiert „das alltägliche Denken in seiner Eigenschaft als Alltagsdenken.“ Sie möchte über das konkrete Leben reden, denn „der Sinn des Lebens ist zu leben.“ Dabei offenbart sich der Konflikt zwischen Freiheit und Leben heute in der Umformung des menschlichen Charakters durch genetische wie digitale Technologien, der aus individueller wie aus politischer Sicht auf eine ethische Antwort wartet. Ágnes Heller veröffentlichte zuletzt ein Buch über das Komische, in dem Literatur eine wichtige Rolle spielt. Vielleicht ist es also doch die Dichtung, die die Philosophie und auch das Leben erklärt.

„Das Fundament der Ethik ist einfach der anständige Mensch. Meine ganze philosophische Konzeption folgt aus dieser Erkenntnis, …“
[Ágnes Heller in Eine kleine Geschichte meiner Philosophie]