Adalber Salas Hernández

stellt seine Gedichtbände Die Zukunft nutzt sich ab durch Gebrauch [2019]
und Auf dem Kopf durch die Nacht [2021] vor.

Gesprächsübersetzung: Geraldine Gutiérrez-Wienken und Marcus Roloff / Lesung der deutschen Texte: Thomas Streipert

(LYRIK-ABEND: In Zusammenarbeit mit der Ev. Kirchengemeinde Bad Oeynhausen-Altstadt /
Freitag, 27. August 2021 / Ort: Auferstehungskirche in der Innenstadt von Bad Oeynhausen /
Beginn: 19.30 Uhr / Einlass: 18.30 Uhr)

Eine erste Sammlung von Gedichten des 1987 in Caracas geborenen venezolanischen Dichters Adalber Salas Hernández erschien 2019 unter dem hellhörig machenden Titel Die Zukunft nutzt sich ab durch Gebrauch. Vorangestellt ist ihm ein Vers aus Dantes Göttlicher Komödie, in diesem Fall aus dem XIII. Gesang des Paradieses. Der Dichter ahnt, dass der Mensch noch weit entfernt vom himmlischen Paradies ist, weil das göttliche Licht uns nicht verzeihen kann, „dass wir kamen, um uns den Schatten auszudenken.“ Diese Entfernung stellt gleichzeitig eine Herausforderung für die Poesie dar, weil das Paradies „das Reich dessen [ist], was noch zu sagen bleibt“ und für das der Dichter in die Welt schauen muss, um die richtigen Worte für eine Verbindung zwischen Mensch und Welt zu finden, denn „so viel in der Welt enthält uns, spricht uns in der gleichen Sprache aus.“

Die Gedichte seines zweiten erst kürzlich erschienenen Gedichtbandes Auf dem Kopf durch die Nacht, sind im venezolanischen Spanisch bereits 2015 unter dem Titel Salvaconducto erschienen. In der Originalausgabe steht auch hier ein Vers Dante am Beginn, diesmal aus dem III. Gesang der Hölle. Die Wahl dieses Dante-Zitats signalisiert den Übergang in eine Welt, die den Charakter einer düsteren und verschlossenen Unterwelt in sich trägt. Es ist eine Anklageschrift gegenüber der seit Jahren anhaltenden, bedrückenden gesellschaftlichen Situation seines Heimatlandes Venezuela, die Salas Hernández als Metapher und Warnung für die Gleichgültigkeit gegenüber der Schande dient, die der Mensch dem Menschen täglich antut. Er findet dafür einen Ausdruck in den einfachsten Worten: „Vielleicht sterben wir hier alle ohne es zu merken / den gleichen Tod“. Der protestierende Zorn eines Pier Paolo Pasolini kommt in fast allen Gedichten des Bandes irgendwie vor. Auf die aus Bitternis und Verzweiflung entstehenden dringlichen Fragen – „Weshalb machen sie einfach weiter / mit ihren Statistiken, werfen Kalk in den Rücken der Zeit, um das / verwesende Fleisch zu kaschieren?“ – kann der Dichter nur folgendes bekennen: „Sieh mal, die Wahrheit ist, dass ich auch nicht / mehr weiß.“ Am Ende bleibt die Hoffnung, dass die Wörter der Anklage nicht auf Dauer von den Gleichgültigen dieser Welt überhört werden können. Irgendwann werden sie „bei Tagesanbruch […] durch deine Wohnungstür schlüpfen. […] Erlaub es ihnen, aufrührerisch zu sein […]. Sie ermöglichen dein freies Geleit.“

Adalber Salas Hernández ist Lyriker, Essayist und Übersetzer. Derzeit arbeitet er an seiner Promotion an der Fakultät für spanische und portugiesische Sprache und Literatur an der New York University.

»Mit Gewandtheit schwimmt er in der Poesie und im Leben, in einem Meer, das ein aus sich selbst entfaltetes Wort ist, er sät Körner der Freude und der Zukunft in einer barbarischen Zeit.«
[Alessio Brandolini im Vorwort der italienischen Ausgabe von Gedichten von A. S. Hernández]


Hochroth Heidelberg

Adalber Salas Hernández