Abi Palmer

stellt ihren autofiktionalen Roman Sanatorium [2022] vor. – Deutschlandweite Buchpremiere
Gesprächsübersetzung: Astrid Köghler und Henrike Schmidt
Deutsche Lesung: Thomas Streipert

(Samstag, 27. August 2022 / Poetische Quellen in der Innenstadt von Bad Oeynhausen / Colon-Sültemeyer-Brunnen / Beginn: 10.30 Uhr / Eintritt frei!)

Eine Veranstaltung in Kooperation mit dem European Spa Project

Es gibt aktuell wohl kaum ein Buch, das zu einer Kurstadt wie Bad Oeynhausen, die sich scheinbar auf der Suche nach einer Neubestimmung befindet, besser passt, als Abi Palmers herausforderndes Buch Sanatorium. Dabei handelt es sich um eine Art autobiografisch verfassten Dialog, in dem die Icherzählerin ihr durch eine Autoimmunkrankheit angegriffenes Leben hinterfragt und sich nebenher immer wieder an die spanische Nonne und Mystikerin Teresa von Ávila (1515 – 1582) wendet, die ihre spirituelle Gesprächspartnerin ist.

Ausgangspunkt des Buches der britischen Autorin und Künstlerin Abi Palmer ist ihr dreiwöchiger Kuraufenthalt in einem luxuriösen Budapester Kurhotel, das u.a. für die Heilkraft seiner Schwefelquellen berühmt ist: „2017 erhielt ich ein Stipendium, um an einem Rehabilitationsprogramm in Budapests Thermalquellen teilzunehmen. Das Sanatorium befand sich auf einer Insel inmitten der Donau. Den ganzen Tag badeten wir, in einer Folge von zehnminütigen Intervallen, in mineralreichem Thermalwasser. […]. Meine verschriebenen Anwendungen waren: medizinische Massage, Unterwassermassage, Magnetfeldtherapie und Unterwassergymnastik. Jeden Abend wurde ich durch einen beheizten unterirdischen Korridor vom Behandlungszentrum in ein angeschlossenes Gebäude geschoben: das Grandhotel Margareteninsel.“

Tagebuchartige Notizen wechseln sich ab mit Erinnerungen und surrealen, schwebenden Visionen. Zusammen zeichnen sie ein Bild des Lebens der erkrankten Autorin zwischen den opulenten Gesundungsmöglichkeiten in der Budapester Kur und ihrem fast ärmlichen Leben in London vor dem Hintergrund eines immer desaströseren öffentlichen Gesundheitssystems. In einem Artikel für den englischen Guardian schrieb Abi Palmer nach Ihrem Kuraufenthalt, dass Wellness nichts anderes sei als „eine verführerische Lüge“, die uns vorgaukele, „dass wir persönlich in der Lage sein könnten, mit unserer Positivität und Konzentration das Gespenst des Todes zu vertreiben.“ Ganz richtig merken die Übersetzerinnen des Buches, Astrid Köhler und Henrike Schmidt, in ihrem profunden Nachwort an, dass im Mittelpunkt von Palmers wichtigem Buch die für eine demokratisch-humanistische Gesellschaft perverse Frage stehe: „Wer hat Gesundheit verdient, im existentiellen wie ökonomischen Sinn?“

Gegen Ende des Buches findet sich dazu der Satz: „Was ich vermissen werde: die warmen Bäder. Ich wünschte mir wirklich, dass ich ein ordentliches Bad zu Hause hätte. Ich habe eine aufblasbare Badewanne, aber das ist nicht dasselbe.“

»Abi Palmers Buchdebüt Sanatorium klingt lange nach als couragierter und gelungener Versuch, das Ringen einer schwerkranken Frau um Besserung ihres Zustands und ihre niemals weinerliche Achtsamkeit für den eigenen Körper auf hohem literarischem Niveau zu gestalten.
[Rainer Rönsch, literaturkritik.de]


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