Brückenschläge
Brückenschläge in die Zukunft
Über sieben Brücken musst Du gehen, willst Du die Aqua Magica sehen. Frei nach dem Schlager von Karat bzw. Peter Maffay lässt sich auf den Punkt bringen, wie die ehemalige Landesgartenschau 2000 für neue Verbindungen gesorgt hat. Vor allem waren es neue Verkehrsverbindungen für Fußgänger und Radfahrer. Rund ein Drittel der insgesamt ca. 55 Millionen Mark Investitionen der öffentlichen Hand in die Aqua Magica Bad Oeynhausen und Löhne flossen in den Bau von Rad- und Wanderwegen. Nicht weniger als sechs Brückenbauwerke sind zur Landesgartenschau neu gebaut bzw. ausgebaut worden. Eine siebente Brücke für Fußgänger und Radfahrer wird zwischen Löhne-Ort und Obernbeck über die Werre geschlagen werden. Alles dies sind Brückenschläge in eine touristische Zukunft und es liegt in den Händen der Stadtmarketingplaner beider Städte, dieses Potential gemeinsam zu nutzen. Das Schönste aber ist: Im Mittelpunkt liegt stets der „Park der Magischen Wasser“!
Dschungelbrücke
Die Dschungelbrücke an der Allee des Weltklimas im Park der Magischen Wasser präsentiert sich in einer ungewöhnlichen Optik. Schrägstehende Stützen erwecken den Eindruck, als kippe die neue Brücke jeden Mo- ment um. "Aber wir haben uns bei der Ermittlung der Lastenverteilung ganz bestimmt nicht verrechnet", verbürgt sich Statiker Dr. Volker Kaltofen (Ingenieur-Gemeinschaft Dr. Schultz, Bochum) für die Stand- festigkeit des "Tausendfüßlers". Der Entwurf der Alleebrücke stammt wie der gesamte Park der Magischen Wasser aus der Ideenschmiede des Planungs-büros Agence Ter (Paris). "Das Siek, das es hier zu überbrücken galt, war in der Planungsphase noch stark bewachsen", berichtet Alexander Bölk, Projektleiter bei Agence Ter. "Und dem entsprechend haben wir eine Dschungelbrücke geplant - mit organischen, bauchigen Stämmen als Stützkonstruktion, die später wieder aus einem dichten Bewuchs hinausragen werden". Die gesamte Allee soll sich den Besuchern /innen auf einem Höhenniveau zeigen. Und dazu war der Bau dieser 82 Meter langen Brücke für Fußgänger und Radfahrer notwendig. Errichtet wurde eine Stahlkonstruktion mit einem Holzbodenbelag. Das Haupttrag- werk bildet eine Trogbrücke über zehn Felder mit seitlichen Fachwerkträgern, Traversen und schrägstehenden Doppelpendelstützen. Die Firma Wilhelm Becker (Minden) verbaute etwa 40 Kubikmeter Beton und drei Tonnen Stahl für die Fundamente sowie gut 50 Tonnen Stahl für die eigentliche Brücke. Der Bodenbelag besteht aus 345 Quadratmetern Eichenholz.
Stahlbetonbau: Fa. Wilhelm Becker (Minden)
Holzarbeiten: Welschar GmbH (Minden)
Osterbachbrücke
Augen zu und durch: Mit gemischten Gefühlen haben die meisten Fußgänger/innen in der Vergangenheit den Durchlass unter der Südbahn im Verlaufe des Osterbachs betreten. Gehweg und Bach waren innerhalb des nur drei Meter engen Viaduktbogens durch eine hohe Betonmauer getrennt. Der Durchgang hatte eine düstere, beängstigende Wirkung. Aber damit ist es dank der Aqua Magica vorbei. Die Verbindung zwischen den Kur- anlagen von Löhne und Bad Oeynhausen hat durch den kompletten Neubau der Eisenbahnbrücke über den Osterbach eine erhebliche Aufwertung erfahren. Entstanden ist eine feingliedrige Stahlbetonkonstruktion, die Bachlauf und Weg nicht mehr nebeneinander, sondern übereinander führt. Auf einem frei hängenden Stahlsteg unterqueren die Menschen die Bahntrasse einen Meter über dem Osterbach. "Es ist ein eindrucksvolles Erlebnis, denn der Steg schwebt über dem Osterbach und erlaubt durch die transparenten Gitterrostabdeckungen ständigen Blickkontakt mit dem fließenden Wasser", so Wolfgang Helten (Stadt Löhne). Der Schienenverkehr auf der Südbahn und die benachbarten Kliniken und Wohnsiedlungen sollten durch die Bauarbeiten so wenig wie möglich gestört werden. Aus dem Grund wurde ein recht aufwendiges Bauverfahren gewählt. Das 340 Tonnen schwere Brückenbauwerk aus Stahlbeton wurde vorgefertigt und im November 1999 in einer spektakulären Aktion innerhalb eines Wochenendes auf einem Wälzwagen Zentimeter für Zentimeter an die richtige Position verschoben, insgesamt elf Meter weit - echte Maßarbeit...
Stahlbetonbau: Fa. Wilhelm Scheidt (Herford)
Erd- und Gleisbau: Fa. Albert Fischer (Elze)
Holzbrücke: Fa. Busmann (Schüttorf)
Stahlsteg: HRD Maschinen- und Anlagenbau (Emlichheim)
Sielparkunterführung
Wenn die Autofahrer/innen auf der vielbefahrenen Europastraße mitten durch Bad Oeynhausen hindurch im Sommer 999 monatelang Schlangenlinien fuhren, dann war dafür nicht etwa Alkoholeinfluss verantwortlich, sondern die Aqua Magica. Im Zuge der Bauarbeiten zur Sielparkunterführung musste die Fahrbahn verschwenkt werden. Die ehe- mals hässliche, schmale, dunkle, verwinkelte Unterführung der Kanalstraße zwischen Sielpark und Sültebusch ist in einen schönen, lichten, geradlini-gen Durchlass für Fußgänger und Radfahrer verwandelt worden. "Die einzige kreuzungsfreie Nord-Süd-Verbindung zwischen den nördlichen Stadtteilen und der Innenstadt ist als Tor zur Stadt ausgebildet worden", so Wolfgang Tiemann (Stadt Bad Oeynhausen). Entstanden ist ein 10 bis 15 Meter breiter, sehr hell gestalteter neuer Tunnel aus zerstörungssicherem Glas, Metall und Licht. Parallel dazu erfolgten der Neubau der Brücke über den Kokturkanal und die fußläufige Anbindung der Stadtachse zu Bahnunterführung und Parkhaus in Gestalt einer großzügigen Treppenanlage und eines überdachten Weges. Es war in der Durchführung eines der schwierigsten Bauwerke zur Aqua Magica, denn der Verkehr auf der Kanalstraße floss vierspurig weiter, während die Unter- führung zum Teil in offener und zum Teil in Deckelbauweise erweitert wurde.
Architekten: Eisele, Fritz, Bott, Hilka, Begeman (Darmstadt)
Ingenieure: Bollinger und Grohmann (Frankfurt/Main)
Haupt-Bauunternehmen: Fa. Diekmann & Co. (Bad Salzuflen), Fa. A.F. Groh (Bad Oeynhausen), Fa. Wilhelm Becker (Minden) Stahl- und Metallbau: Fa. Brase (Petershagen)
Verglasung: Fa. Nitschke (Minden)
Fertigteile Stufen: Fa. König (Löhne)
Elektroanlagen: Fa. Worminghausen (Löhne)
Kanalbau: Fa. Quakernack (Bad Salzuflen)
Schützenbrücke
Brückenbauer sind gute Mathematiker. Das ist besonders für die Statik wichtig. Aber an der Erweiterung der Schützenbrücke Bad Oeynhausen zur Aqua Magica zeigt sich, dass gute Mathekenntnisse auch zur äußeren Erschei nung eines Bauwerks einen wesentlichen Beitrag leisten können. Die Brücke über die Südbahn im Zuge der Schützenstraße ist durch einen Kunstgriff optisch völlig verändert worden. Den Nutzern/innen wird der Eindruck vermittelt, die Hauptverkehrsrichtung laufe nicht mehr in einem 90-Grad-Winkel zur Bahnlinie, sondern sie führe diagonal über die Brücke. Fußgänger und Radfahrer verkehren während der Landesgartenschau auf einer Linie zwischen dem Jordansprudel und dem neuen Park der Magischen Wasser. Die Brückenplaner Schlattmeier und Hartmann (Herford) unternahmen einen kleinen Ausflug in die Welt der Geometrie: Man nehme ein Rechteck (die bisherige Brücke), zwei gleichschenkelige Dreiecke und setze die beiden Dreiecke so an die Längsseiten des Rechteckes, dass eine Diagonale entsteht. Bei der Ausbauplanung der Schützenbrücke wurde darauf Wert gelegt, dass die Brücke nach dem Ende der Landesgartenschau multifunktional zu nutzen ist. Der Erweiterungsbau wurde im Herbst 1999 vollendet. <> Architekt: Schlattmeier (Herford)
Statiker: W. Hartmann & Partner (Herford)
Hauptunternehmer/Betonbau: Fa. Wilhelm Becker (Minden)
Stahlbau: Fa. Welschar (Minden)
Holzbau: Fa. F. Meier (Minden)
Straßenbau: Fa. A.F. Groh (Bad Oeynhausen)
Heinrich-Schneider-Brücke
Der Brückenschlag über die Werre zwischen den Löhner Stadtteilen Mennighüffen/Ostscheid (in Verlängerung von Börstelstraße/Schierenbrink) und Gohfeld/Melbergen verknüpft den nördlich entlang der Werre verlaufenden Radwan derweg R 49 und den Werre-/Mittelbachwanderweg am südlichen Werreufer. Der Bau der Heinrich-Schneider-Brücke basiert auf einer Forderung des Radverkehrskonzeptes im Verkehrsentwicklungsplan. Ein aus zwei Stahlzugbändern bestehendes Spannband bildet mit aufgelegten Stahlbetonfertigteilen den nur 17 Zentimeter dünnen Überbau der Heinrich-Schneider-Brücke. Die Zugbänder spannen sich im Abstand von 80 Metern zwischen die Wider lager. Ungefähr in der Mitte liegen die Bänder auf einem Stahlbetonbogen auf. Das Brückengeländer besteht aus einem nachgiebigen Drahtnetz, das an zwei vorgespannten Seilen aufgehängt ist. Der Entwurf zur sehr filigran wirkenden Heinrich-Schneider-Brücke stammt aus der Ideenschmiede des weltweit wohl renommiertesten Tragwerksbauers: Prof. Dr. Jörg Schlaich (Stuttgart) hat sie gemeinsam mit dem Frankfurter Künstler Prof. Claus Bury gestaltet, ebenso wie auch die Brücke am Werre-Weser-Kuss in Bad Oeynhausen. Aus dem Büro Schlaich stammt übrigens auch der Entwurf für das Dach des Gerry Weber Stadions in Halle/Westfalen. Tragwerksplanung: Schlaich, Bergermann und Partner (Stuttgart)
Künstlerische Beratung: Prof. Claus Bury (Frankfurt)
Hauptunternehmer/Betonbau: Fa. Wilhelm Becker (Minden)
Edelstahlarbeiten: Arnold Diller GmbH (Herges-Hallenberg) Stahlbau: Kranbau Bär GmbH (Schmalkalden)
Werre-Weser-Kuss
Am 17. Oktober 1999 läuteten für die Bad Oeynhausener Stadtteile Dehme und Rehme die Hochzeitsglocken. An diesem Tag wurde die neue Brücke über die Werremündung eingeweiht. Dort, wo sich Werre und Weser küssen, richteten die Vereinsringe Dehme und Rehme ein großes Volksfest aus. Und die Landesgartenschau GmbH steuerte den Weltrekord im Massenküssen bei. Die Schauspielerin und Moderatorin Andrea Suwa sicherte sich und der Aqua Magica einen Eintrag in das Guinness-Buch-der-Rekorde, indem sie es schaffte, innerhalb von fünf Stunden insgesamt 10.002 Menschen zu küssen. Eine Energieleistung hatten zuvor auch die Bauarbeiter vollbracht. Sie montierten die beiden mächtigen, in nächt lichen Sondertransporten aus Thüringen herbeigeschafften Stahlträger mit Hilfe zweier 500-Tonnen-Kräne millimeter genau zu einer Einheit. Statisches System der Brücke ist ein Durchlaufträger mit einer Hauptspannweite über der Werre von 60 Metern und einer maximalen Bauhöhe von 2,10 Metern. Der Hauptträger besteht aus jeweils drei gekrümmten Ober- und Untergurten, vergleichbar mit einem Fischbauchträger. Die Stahlkonstruktion des Obergurtes ist rundum mit einem Edelstahlblech verkleidet. Bodenbelag bildet eine Stahlblechwanne mit Kunststoffbeschichtung. Die Brücke hat ein transparentes Füllstabgeländer. <>
Tragwerksplanung: Schlaich, Bergermann und Partner (Stuttgart)
Künstlerische Beratung: Prof. Claus Bury (Frankfurt)
Hauptunternehmer: Arnold GmbH (Friedrichsdorf/Ts.)
Edelstahlarbeiten: Arnold Diller GmbH (Herges-Hallenberg)
Stahlbau: Kranbau Bär GmbH (Schmalkalden)
Betonbau: Fa. Wilhelm Becker (Minden)
Rundwandern mit der Aqua Magica
Gibt es schönere Aussichten, als entlang der Werre oder der Weser mit dem Rad zu wandern oder die Parkanlagen der Aqua Magica auf Schusters Rappen zu erobern? - Die notwendige Infrastruktur haben die Städte Bad Oeynhausen und Löhne mit Hilfe des Landes Nordrhein-Westfalen geschaffen. Zur Landesgartenschau 2000 sind der Werre-Radwanderweg und der Mittel bach-Radwanderweg in Löhne ausgebaut worden.
Und von Bad Oeynhausen/Löhne ausgehend entsteht der Soleweg, eine neue Radwanderroute, die einmal die deutschen Solebäder wie eine Perlenkette miteinander verbinden soll. Eine mehr als 65 Kilometer lange Tour, die selbstverständlich auch in Etappen zurückgelegt werden kann, verbindet die Attraktionen der Aqua Magica mit den Ausflugszielen in Vlotho und Bad Salzuflen. Zum Beispiel die neue innerstädtische Erholungsanlage am Amtshausberg oder den zu einem Klang- und Sinnesgarten entwickelten Kurpark in Vlotho und die Naturräume bis hin zum Kurpark Bad Salzuflen.






