Zum Abschluss

Sonntag, 27. August 2017

Poetische Quellen

Sonntag, 27. August 2017 / Beginn: 18.30 Uhr

Roger Willemsen: „Wer wir waren“ – Eine Zukunftsrede

Im Gespräch zu Roger Willemsen: Die Moderatorin Julia Westlake
Es liest der Schauspieler und Sprecher Rolf Becker.
Moderation: Jürgen Keimer

Wir waren die, die verschwanden.
Wir lebten als der Mensch, der sich in der Tür umdreht,
noch etwas sagen will, aber nichts mehr zu sagen hat.“
[Roger Willemsen aus „Wer wir waren“]

Roger Willemsen
(1955 – 2016)

Dreimal war Roger Willemsen zu Gast bei den „Poetischen Quellen“: In den Jahren 2003, 2008 und zum 10jährigen Jubiläum 2011, wo er eine leidenschaftliche Rede an die Freiheit hielt. Geboren 1955 in Bonn, wurde er einem großen Publikum vor allem durch seine Fernsehsendung Willemsens Woche bekannt. Er arbeitete als Nachtwächter, Dozent, Übersetzer, Moderator, Regisseur, Fernsehproduzent, war Kabarettist und Kurator und lebte seine Schirmherrschaft für den Afghanischen Frauenverein. Vor allem war er aber ein Reisender und ein Autor. Wenige Menschen haben dem Begriff Freundschaft eine so tiefe Bedeutung beigemessen. Sein aufrichtiges Interesse an Menschen, die ihm begegneten und denen er begegnete, war grenzenlos. Er bereicherte seine Umgebung allein dadurch, dass er sich ihr überall mit wissbegieriger Neugier öffnete. Roger Willemsen starb am 7. Februar 2016. Jeder, der ihn kannte, sah, hörte, las und erlebte, wird ihn nicht vergessen.

Julia Westlake

Katja Zimmermann

Moderatorin
Die Fernsehmoderatorin Julia Westlake, geboren 1971 in Bad Segeberg, studierte Germanistik und Politikwissenschaften in Hannover. Seit 1992 arbeitet sie für Funk und Fernsehen. Viele Jahre moderierte sie gemeinsam mit Jörg Pilawa die legendäre NDR Talkshow. Seit Mitte 2007 übernahm sie das NDR-Magazin Kulturjournal, seit Mai 2011 ist sie außerdem Moderatorin des Bücherjournals im NDR-Fernsehen, in dem sie über wichtige literarische Neuerscheinungen berichtet. Zusammen mit Roger Willemsen war sie Mitglied im Rateteam der Sendung Ich trage einen großen Namen, die im Fernsehen des SWR und des HR ausgestrahlt wird. 2011 moderierte Julia Westlake den Festabend der „Poetischen Quellen“ zum damaligen 10jährigen Jubiläum. Auf die Frage, wer sie zu den Poetischen Quellen“ gebracht habe, sagte sie damals im Gespräch mit der Neuen Westfälischen: „Wenn ich es richtig verstanden habe, hat mich Roger Willemsen empfohlen. Die Veranstalter suchten jemand neues und fragten ihn. Er schätzt die Veranstaltung sehr.“

Rolf Becker

Klaus Bodig

(Schauspieler und Sprecher)

Mit seiner sonoren Stimme und den strahlend blauen Augen gehört er zu den bekanntesten deutschen Schauspielern und Synchronsprechern: Rolf Becker, in Leipzig geboren, wächst ab Kriegsbeginn 1939 auf dem Bauernhof seiner Großeltern im schleswig-holsteinischen Osterstedt auf. Die entbehrungsreiche Zeit des Zweiten Weltkrieges wird für ihn zu einer lebensbestimmenden Erfahrung: „Ich bin Jahrgang 1935, habe die Kriegs- und Nachkriegsgeschichte in Erinnerung und habe eigentlich mein Leben darauf ausgerichtet zu verhindern, dass sich wiederholen kann, was ich als Kind miterlebt habe, aber damals noch nicht reflektieren konnte“, sagt Becker. Nach dem Abitur geht er Mitte der 50er-Jahre nach München und verdient sich als Bühnentechniker seine Schauspielerausbildung, die er an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule absolviert. Der Schauspielunterricht ist für ihn ein „Ausweichen vor der Wirklichkeit, mit der ich schwer zu Rande kam“, womit er auch hier die Kriegs- und Nachkriegsjahre meint. Nach mehreren Theaterstationen kommt er 1971 ans Deutsche Schauspielhaus in Hamburg, wo er seitdem lebt. Durch sein Engagement hier und später am Thalia Theater avanciert Becker schnell zu einem der gefragtesten Theaterschauspieler und feiert bald auch Erfolge im Fernsehen und beim Film. Er spielt unter so bekannten Regisseuren wie Edgar Reitz, Peter Zadek und Volker von Schlöndorff (z.B. in Die verlorene Ehre der Katharina Blum). In den bekannten historischen Fernsehmehrteilern der 70er- und 80-Jahre verkörpert er Friedrich den Großen in Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck oder den Oberst Piccolomini in der Wallenstein-Verfilmung mit Rolf Boysen. Immer wieder hatte er seitdem Gastauftritte in deutschen Fernsehserien wie Tatort, Wolffs Revier, Großstadtrevier oder Küstenwache. Seit 2006 spielt er in der ARD-Serie In aller Freundschaft den gutmütigen Rentner Otto Stein. Daneben arbeitet er immer wieder alleine oder mit anderen Künstlern als Sprecher und Vorleser. Zusammen mit der sizilianischen Sängerin Etta Scollo liest er im Wechsel mit Joachim Król bei Aufritten ihres Programmes Parlami d`amore Liebesgeschichten italienischer Autoren.
Unermüdlich ist Rolf Becker auch politisch und sozial engagiert. Als Gewerkschaftsmitglied demonstrierte er in den 90er-Jahren gegen die NATO-Angriffe in Ex-Jugoslawien. Im vergangenen Jahr forderte er zur Solidarität mit den Griechen auf. Er unterstützt den Kampf der Kurden gegen Vertreibung und Vernichtung und setzt sich für die Lampedusa-Flüchtlinge in Hamburg ein.

„Kein Mensch ist nur gut. Und kein Mensch ist nur böse. Sondern jeder Mensch hat beide Seiten in sich – das war das Rollenfeld, was mich am meisten interessiert hat.“ [Rolf Becker]