Die Tischgespräche I und II

Samstag, 26.08.2017

Das Tischgespräch I
Samstag, 26.08.2017 / Beginn: 18.00 Uhr

Was ist deutsch? – Zur Lage der deutschen Seele zwischen Vergangenheitsvergessenheit und Zukunftshoffnungen,
Identität und Nicht-Identität

Mit:
Friedrich Dieckmann, Peter Trawny und Christoph Dieckmann
Moderation: Jürgen Keimer

„Zur Nation euch zu bilden, ihr hoffet es, Deutsche vergebens;
Bildet, ihr könnt es, dafür freier zu Menschen euch aus.“
[aus: Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Xenien;
Nr. 96: Deutscher Nationalcharakter]

Deutschland ist ein Regenbogenland, nicht nur, weil erst kürzlich mit der Ehe für alle für viele weitere Menschen in Deutschland endlich der oberste Wert des Grundgesetzes zutrifft – näm-lich dass die Würde des Menschen unantastbar ist –, sondern weil Deutschland mit dieser Entscheidung einen weiteren Schritt hin zu einer offenen Gesellschaft gegangen ist. Mit einer Leitkulturdebatte ist die Frage nach dem, was deutsch sei, nicht zu klären, wo doch schon der erste Artikel des Grundgesetzes deutlich auf die kosmopolitische Ausrichtung der deutschen Gesellschaft hinweist, denn er spricht ganz selbstverständlich nicht nur Menschen mit einem deutschen Pass an!
Die Identität zu einer Nation entwickelt sich über das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gesellschaft erst dann, wenn man sich zu ihr nicht nur vernunftmäßig, sondern auch auf der Ebene des miteinander Handelns und Streitens einverstanden erklären kann. Die Frage nach dem Selbstverständnis des Deutschen konnte noch nie über die Identifikation mit einem „Volkskörper“ beantwortet werden und wenn, dann hat dies in Deutschland immer zu Katastrophen geführt. In einem mit Auf die Frage: Was ist deutsch betiteltem Essay schrieb Theodor W. Adorno 1965: „Nachdem jedoch unterm Nationalsozialismus die Ideologie vom Vorrang des Kollektivsubjekts auf Kosten von jeglichem Individuellen das äußerste Unheil anrichtete, ist in Deutschland doppelt Grund, vorm Rückfall in die Stereotypie der Selbstbeweihräucherung sich zu hüten.“
In der Welt, in der wir leben, kann die Frage heute nur heißen, ob eine Identität nicht gerade aus einer Nicht-Identität entsteht, will heißen: „Ungewissheit ist, ich kann es nicht genug sagen, das natürliche Biotop unseres Lebens“, so der polnische Soziologe und Denker Zygmunt Bauman. Und weiter: „Wir sind jetzt stabil in einer sich ständig ändernden Umgebung. Meiner Ansicht nach führt das zu einem völlig neuen Verständnis des Lebens.“ Davor machen Grenzziehungen auch in Deutschland nicht halt, seien sie nun geographisch oder ideologisch.

Zu den Teilnehmern:

Friedrich Dieckmann

gezett.de

Bücher u.a.: Kulturnation und Nationalkultur [2017], Luther im Spiegel [2016], Was ist deutsch? Eine Nationalerkundung [2003].

Friedrich Dieckmann wurde 1937 in Landsberg an der Warte geboren. Er wuchs im zerstörten Dresden auf und studierte später an der Universität Leipzig die Fächer Germanistik, Philosophie und Physik. Dieckmann lebt seit 1963 die mühsame Existenz eines freien Schriftstellers, schrieb und schreibt Essays u.a. für die Zeitschriften Theater der Zeit und Sinn und Form. Nur in der Zeit zwischen 1972 und 1976 war er als Dramaturg am Berliner Ensemble fest beschäftigt. Er ist Mitglied der Akademien der Künste in Berlin, Dresden und Leipzig sowie der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Für seine Arbeiten über den deutschen Komponisten, Dramatiker und Schriftsteller Richard Wagner erhielt Dieckmann 2013 den Richard-Wagner-Preis der gleichnamigen Leipziger Stiftung.
In seinen zahlreichen Büchern, Essays und Kritiken beschäftigt sich Dieckmann immer wieder mit den Wesensmerkmalen einer „deutschen Seele“, die sich für ihn aus kulturhistorischer Sicht unter anderem in den Werken Martin Luthers, Friedrich Schillers, Richard Wagners, Franz Schuberts oder Bert Brechts herauslesen lassen. Dabei gibt es „bei diesem Autor keine antiquarische Geschichtsschreibung“, wie Lothar Müller es über Dieckmann in der Süddeutschen Zeitung schrieb. Friedrich Dieckmann weiß, dass der Wert von Geschichte und Kultur vor allem in der Überlieferung, dem Weitergeben an die Nachkommenden besteht. Denn wenn das Vergessen übermächtig wird, endet die menschliche Kultur. Schon 2003 schrieb Dieckmann: „Die tiefsitzende Angst dieses Volkes vor besitzantastenden Positionen hat in Deutschland immer wieder zu Überreaktionen geführt, die sich als weitaus schädlicher erwiesen denn das reale Bedrohungspotential.“ Ein Übler wer hierbei heute an die Reaktionen auf die hilfesuchenden Flüchtlinge oder die Ausweitung des Überwachungsstaates denkt. Wie hellwach die gesellschaftliche Auffassungsgabe dieser außerordentlichen Gestalt der deutschen Publizistik ist, zeigt ein Beitrag Dieckmanns über Schiller aus dem Jahr 2005. Hier schon beschreibt er den zunehmenden Verfall eines Empfindens für Schönheit und Ästhetik innerhalb der Gesellschaft und beobachtet, dass immer mehr „das Hässliche, das meist nur das Rohe ist, (…) mit Inbrunst [herrscht], selten mit Witz ...“.

„Aber vor allem wirkt Dieckmann durch die Rolle des öffentlichen Intellektuellen, die ihm im Prozess des deutsch-deutschen Zusammenwachsens zukam. (…) Andererseits gibt es kaum einen anderen Autor, der ohne Scheu auch eine gerade unter Intellektuellen beargwöhnte Größe wie die Nation zum Thema machen kann.“ [Hermann Rudolph, Der Tagesspiegel]

Peter Trawny

Matthes & Seitz Berlin

Bücher u.a.: Was ist deutsch? [2016], Martin Heidegger: Schwarze Hefte 1931-1941 [2014, 3 Bde.], Medium und Revolution [2011]

Peter Trawny wurde 1964 in Gelsenkirchen geboren, wo er auch aufwuchs. Nach zeitweiliger Arbeit im Steinkohlebergbau und dem Zivildienst studierte er Philosophie, Musikwissenschaft und Kunstgeschichte in Bochum und Freiburg. Er promovierte 1995 und habilitierte im Jahr 2000. Seidem arbeitet Trawny ohne eigenen Lehrstuhl auf der Basis von Vertretungs- und Gastprofessuren, häufig finanziert über Stipendien. 2012 begründete er das erste Martin-Heidegger-Institut an der Bergischen Universität in Wuppertal, welches rasch nach Gründung schon eine weltweite Anziehungskraft erlangte. 2013 entfachte Trawny einen der größten Skandale in der neueren Philosophiegeschichte, weil er als Herausgeber der sogenannten „Schwarzen Hefte“ Martin Heideggers nachwies, dass Heidegger auch nach 1945 weiterhin einem antisemitischen und judenfeindlichen Weltbild anhing.
Sein Buch Was ist deutsch? leitet Trawny mit der Feststellung ein, dass in Deutschland der einstmals vorhandene bundesrepublikanische Geist einer kritischen und reflexiven politischen Öffentlichkeit untergegangen sei. Der Verlust dieser „Denk-Ehrlichkeit“, die sich vor allem in den Bildungseinrichtungen und den Medien feststellen lasse, habe letztlich zu einem „Sarrazinschen Deutschland“ geführt, in dem Überzeugungen nicht mehr argumentativ dargelegt würden, sondern Auseinandersetzungen mittels demagogischer Vereinfachungen und Ressentiments ausgetragen werden. Trawny bezieht sich bei seinen Überlegungen vor allem auf Theodor W. Adorno und schreibt: „Die deutsche Identität ist nach Adorno durch einen nie zu heilenden Riss gezeichnet. Schließlich gehört zu einer solchen Nicht-Identität, dass ihre Instabilität sich als Offenheit für das Menschliche schlechthin erweist.“
Dennoch dürfe man „bei aller Aufweichung der Nationalstaatlichkeit“ nicht auf die Frage nach dem, was deutsch sei, verzichten, weil „Zuschreibungen der Herkunft unvermeidlich“ für jeden einzelnen Menschen seien. Jeder Einzelne müsse schließlich sein Leben erzählen können. Gerade deshalb ist die Ausbildung einer kulturellen Identität so bedeutsam, weil sich bei jedem Menschen gesellschaftliche Zugehörigkeit vor allem über das Bewusstsein von ethisch-historischen Gemeinsamkeiten entwickelt.

„Peter Trawny ist sich sicher: Der Philosoph Theodor W. Adorno hätte längst Stellung gegen die Forderung des AfD-Politikers Björn Höcke bezogen, wonach es einer 180-Grad-Kehrtwende in der deutschen Erinnerungskultur bedürfe.“
[Joachim Scholl im Gespräch mit Peter Trawny, Deutschlandfunk Kultur]

Christoph Dieckmann

Ch. Links Verlag

Bücher u.a.: Mein Abendland. Geschichten deutscher Herkunft [2017], Freiheit, die ich meine [2012], Mich wundert, daß ich fröhlich bin [2009]

Christoph Dieckmann wurde 1956 im brandenburgischen Rathenow als Sohn eines Pfarrers und einer Lehrerin geboren. Da ihm die Zulassung zum Abitur in der damaligen DDR verweigert wurde, machte er von 1972 bis 1974 zunächst eine Lehre zum Filmvorführer, bevor er 1975 die Facharbeiterprüfung bestand und anschließend Theologie in Leipzig und Ost-Berlin studierte. Nach seinem Studium arbeitete er u.a. als Vikar und als Medienreferent für die Evangelische Kirche der DDR. Er schrieb zuerst für Kirchenzeitungen in der DDR, bevor er begann, auch für den Sonntag, die kulturpolitische Wochenzeitung der DDR, zu schreiben, die sich nach der Wende ab 1990 in der Freitag unbenannte. Seit 1991 arbeitet Dieckmann für die Hamburger Wochenzeitung Die Zeit, bis 2005 als Redakteur, seitdem als Autor im Ressort des Hauptstadtbüros der Zeitung. „Die wollten unbedingt einen Ostler haben, aber mein damaliger Chef sagte mir zu Beginn: Man soll gar nicht wissen, wo sie herkommen, das ist überhaupt nicht wichtig, man soll es ihrem Schreiben nicht anmerken. Man hatte die, wie ich finde, etwas naive Vorstellung, einer Objektivität in der Beobachtung der ostdeutschen Dinge, eine gewisse faktische Weltsicht. Der konnte ich natürlich nicht genügen. Ich habe immer gesagt, ich schreibe von innen nach außen, ich schreibe das, was die Menschen nicht wahrnehmen und auch nicht zu hören bekommen in den doch sehr westlich geprägten deutschen Medien“, erzählt Dieckmann über seine Anfänge bei der Zeit.
In zahlreichen Texten und Büchern über Musik, Literatur, Film und Politik erzählt Christoph Dieckmann die deutsche Gegenwart immer aus dem Bestreben heraus, die Herkunft nicht zu vergessen. Im Mittelpunkt seines Schreibens steht dabei nicht die allgemeine Epochengeschichte, sondern immer das Individuum und das konkrete Leben. So auch in seinem neuen Buch, über das er im Kulturradio rbb sagt: „Sie haben mich vorhin gefragt, warum mein Buch Mein Abendland heißt. (…) Es gibt bestimmte Begriffe, die gebe ich nicht leichtfertig preis, auch wenn sie ambivalent sind. Ich diskutiere darüber, aber ich überlasse sie nicht kampflos irgendwelchen rechten Lümmeln, die davon einen missbräuchlichen Gebrauch machen und sie für ihre Kampfbegriffe einsetzen.“

„`Jedes Erinnern`, sagt Christoph Dieckmann, `ist autobiografisch.` Und: `Man sieht nur, was man weiß`. So gesehen ist sein jüngstes Buch ein kleines Meisterwerk. Keine einfache Wahrheit, aber eine lohnende Lektüre – für all jene, die wissen wollen, woher wir kommen.“
[Katrin Wenzel, MDR Kultur]

Sonntag, 27.08.2017

Das Tischgespräch II
Sonntag, 27.08.2017 / Beginn: 16.30 Uhr

„Der Mond und die Feuer“ – Der Schriftsteller Cesare Pavese

Mit:
Maja Pflug und Lothar Müller
Moderation: Jürgen Keimer

„Es war übrigens nie einfach, ein Gespräch mit ihm zu führen, selbst wenn er sich lustig gab; aber eine Begegnung mit ihm, auch wenn sie nur aus wenigen Worten bestand, konnte belebend und anregend sein wie keine andere. In seiner Gesellschaft wurden wir viel klüger; wir fühlten uns dazu getrieben, in unsere Worte das Beste und Ernsteste zu legen, das in uns war; wir warfen die Gemeinplätze, die ungenauen Gedanken, das Widersprüchliche von uns.“[Die Schriftstellerin Natalia Ginzburg über Cesare Pavese]

Zu Cesare Pavese:

Rotpunktverlag

(1908 – 1950)

Am 27. August 1950 bringt sich der italienische Schriftsteller Cesare Pavese im Turiner Hotel Roma an der Piazza San Carlo Felice gegenüber des Bahnhofs Porta Nuova mit Schlaftabletten um. Mit erst 42 Jahren steht Pavese zu diesem Zeitpunkt nicht nur in Italien auf dem Höhepunkt seines literarischen Ruhmes. Kurz davor hatte er noch den berühmten Literaturpreis Premio Strega für seine Erzählung Der schöne Sommer erhalten. Im Hotelzimmer fand man auf Paveses Nachttisch sein Buch Gespräche mit Leuko aufgeschlagen liegen, in das er seine letzten Sätze notiert und mit seinem Namen unterschrieben hatte: „Ich verzeihe allen und bitte alle um Verzeihung. Recht so? Macht nicht zuviel Gerede darum. Cesre Pavese“

Geboren wurde Pavese 1908 in dem Dorf Santo Stefano Belbo, das in der sanft geschwungenen Hügellandschaft der piemontesischen Langhe liegt. Sein Leben lang verlor er nie den Bezug zu dieser Landschaft, die er symbolhaft immer wieder in seine Gedichte, Erzählungen und Romane einfügte und die den Ausgangspunkt für seine nicht vollendete Theorie über den Mythos darstellte.

Das Studium der Literaturgeschichte schloss er an der Turiner Universität mit einer Arbeit über den amerikanischen Dichter Walt Whitman ab. „Ich brauche kein Monatsgehalt. (…) Mir genügt ein Teller Suppe und Tabak“, zitiert Natalia Ginzburg ihren Freund Pavese, der seinen Lebensunterhalt nach dem Studium als Vertretungslehrer am Gymnasium und mit Übersetzungen vor allem amerikanischer Autoren wie Melville, Whitman, Faulkner, Steinbeck und Sinclair Lewis verdiente. Durch die Schulung an diesen Autoren erneuerte er mit seiner eigenen schriftstellerischen Arbeit die italienische Literatursprache, in die durch ihn die gesprochene Sprache, durchsetzt mit Slangausdrücken, Soziolekten und dialektalen Färbungen Einzug hielt. 1938 trat Pavese in fester Anstellung dem Turiner Verlagshaus Einaudi bei und hatte maßgeblichen Anteil daran, dass Einaudi bis in die 70er Jahre hinein der kulturell einflussreichste Verlag Italiens blieb.

Die Gebrochenheit des Lebens, die Suche nach den eigenen Wurzeln, die Ambivalenz zwischen der Sehnsucht nach Einsamkeit und dem Wunsch nach Zugehörigkeit kennzeichnen das literarische Werk Paveses und lassen es heute wieder aktueller denn je erscheinen. Anguilla, die Hauptfigur des Romans Der Mond und die Feuer, kehrt nach Jahren in seinen Heimatort zurück. Von seinen Erinnerungen geführt, sucht er nach seiner Herkunft und muss enttäuscht feststellen, dass nichts mehr so ist wie es einmal war.

Zu den Teilnehmern:

Maja Pflug

Poetische Quellen

Bücher: Cesare Pavese, Der Mond und die Feuer [2016; als Übersetzerin], Natalia Ginzburg. Eine Biographie [2011]

Vor 13 Jahren war die Übersetzerin Maja Pflug zum ersten Mal zu Gast bei den „Poetischen Quellen“. Im Rahmen des damaligen Italienschwerpunktes stellte sie das Werk der italienischen Schriftstellerin Natalia Ginzburg vor, über die sie bereits 1995 eine Biographie geschrieben hatte, die auch ins Italienische übersetzt wurde. Diesmal stellt sie ihre Neuübersetzung von Cesare Paveses letzten, im April 1950 veröffentlichten Roman Der Mond und die Feuer vor. Literarische Genauigkeit, stilistische Klarheit und großes sprachliches Einfühlungsvermögen zeichnen diese Neuübersetzung aus, die im Zürcher Rotpunktverlag erschienen ist und der weitere Neuübersetzungen Paveses folgen sollen.
1946 in Bad Kissingen geboren, absolvierte Maja Pflug ihre Übersetzerausbildung in München, Florenz und London und übersetzt nun schon seit über vierzig Jahren italienische Literatur ins Deutsche, u.a. Pier Paolo Pasolini, Fabrizia Ramondino, Rosetta Loy, Alberto Nessi, Giovanni Orelli und natürlich Natalia Ginzburg und Cesare Pavese. 1987 wurde Maja Pflug mit dem Premio Montecchio ausgezeichnet, es folgten 1999 der Christoph-Martin-Wieland-Übersetzerpreis und 2007 der Jane Scatcherd-Preis. 2011 erhielt sie für ihr Lebenswerk den Deutsch-Italienischen Übersetzerpreis. Sie lebt und arbeitet in Rom, München und der Toskana.

„Der Mond und die Feuer“ erscheint wie ein Resümee. Für viele ist es Paveses bester Roman, weil er die knappe, realistische Sprache mit einem lyrischen Ton verbindet. (…) Die elegante Übersetzung von Maja Pflug wird dem nun auch im Deutschen gerecht. Es ist das Buch gewesen, an dem Pavese mit der größten Freude und sogar mit Leichtigkeit gearbeitet hat.“
[Tobias Eisermann, WDR 3]

„Zwischen der Bedeutung, die Cesare Pavese noch immer für ein italienisches Publikum besitzt, und seiner Wahrnehmung im deutschen Sprachraum herrscht mittlerweile ein steiles Gefälle: (…) Doch veröffentlicht der Zürcher Rotpunktverlag nun eine Neuübersetzung des Romans Der Mond und die Feuer (…), die ermessen lässt, was da verschwunden ist.“
[Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung]

Lothar Müller

Rolf Walter

Literaturkritiker, Publizist, Autor
Buch: Weiße Magie. Die Epoche des Papiers [2012]

Lothar Müller, geboren 1954, studierte Germanistik und Geschichte in Marburg. Er war Dozent für Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der FU Berlin und arbeitete von 1997 bis 2001 als Redakteur im Literaturblatt der Frankfurter Allgemeinen zeitung. Heute ist er Literaturkritiker und Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung mit Sitz in Berlin und seit 2010 auch Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Im Jahr 2000 erhielt Müller den vom Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel vergebenen Alfred-Kerr-Preis, 2008 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, 2013 den Berliner Preis für Literaturkritik und 2015 schließlich den Antiquarier-Preis für besondere Leistungen zur Förderung und Pflege der Buchkultur.
Bereits seit Jahrzehnten interessiert sich Lothar Müller für das Werk des italienischen Schriftstellers Cesare Pavese.

„Ob Lothar Müller den verwertbaren Satz für die Verlagsvorschau bewusst vermeidet oder ob er ihn erst gar nicht denkt, sei dahingestellt: Sein Lob verkörpert sich in der Genauigkeit und Differenziertheit, mit der er Texte transparent zu machen versteht, sodass sie durch seine Lektüre von innen zu leuchten beginnen.“ [Ingo Schulze, Laudatio auf Lothar Müller 2008]

„Seine journalistischen Arbeiten sind für den Tag geschrieben, gehören aber dank der Souveränität ihres Verfassers ins kulturelle Pantheon. Namentlich seine Buchkritiken bestechen, bei hohem Reflexions- und Argumentationsniveau, mit ihrer prägnanten klaren Sprache und der unbedingten Sachlichkeit des Rezensenten. Zum Bild des vorzüglichen und nicht zuletzt lauteren Literaturkritikers gehört das des Redakteurs, der keine Literaturpolitik betreibt, obwohl er eine der Schlüsselpositionen der deutschen Literaturkritik besetzt.“
[Jurybegründung zur Vergabe des Preises der Berliner Literaturkritik an Lothar Müller]