28. August 2011, 11.30 Uhr

Die Notwendigkeit von Freiheit und Würde im 21. Jahrhundert

Eine Gesprächsrunde mit
Susan Neiman, Norbert Bolz und Sahra Wagenknecht
Moderation:
Jürgen Keimer

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
[Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland]

… warum dieser Unwille einzusehen: wenn es ein Schicksal gibt, dann ist Freiheit nicht möglich: wenn es aber – so fuhr ich fort, selbst immer überraschter, immer erhitzter – die Freiheit gibt, dann gibt es kein Schicksal, das heißt also – ich hielt inne, aber nur, um Atem zu holen – das heißt also, wir selbst sind das Schicksal – dahinter war ich plötzlich gekommen, … [Imre Kertész, Roman eines Schicksallosen]

Dennoch ist Freiheit nicht der einzige Wert, der unser Verhalten bestimmen kann oder sollte (…) Es kann geschehen, dass eine Freiheit eine andere untergräbt; …
[Isaiah Berlin, Freiheit. Vier Versuche]

„Wir sind keineswegs sicher, ob unsere Äußerungen von Freiheit nicht anderen etwas wegnehmen. Vielleicht wäre es richtig, dass jeder nicht an seine eigene Freiheit dächte, sondern an die der anderen“, schrieb die italienische Autorin Natalia Ginzburg und für das Wort „Freiheit“ ließe sich hier auch „Würde“ einsetzen.

Im diesjährigen Sonntagsgespräch geht es darum, die Bedeutung dieser beiden Begriffe – „Freiheit“ und „Würde“ – mit Blick auf die heutigen Lebensweisen in unserer Gesellschaft zu hinterfragen. Dabei geht es um gesellschaftspolitische, christlich-religiöse, philosophisch-moralische und wirtschaftliche Betrachtungsweisen vor dem Hintergrund, für die Zukunft entscheidende Handlungsspielräume sowohl in Gemeinschaft innerhalb eines gesellschaftlichen Zusammenhangs als auch als einzelner, selbstverantwortlicher Mensch aufzuzeigen.

Der gewählte Titel des Sonntagsgesprächs soll auch darauf hinweisen, dass heute womöglich weniger die Frage, wie Freiheit – bei der die Würde immer mitgedacht wird – möglich ist, gestellt werden muss als vielmehr die Überlegung, wozu sie nötig ist und wofür sie verwendet wird.

Dahinter steht der Gedanke, dass die Verbindung der Begriffe Freiheit und Würde auf eine wünschenswert allumfassende Idee von Menschlichkeit (Humanität) hindeutet, welche das Feld der Menschenrechte mit Begriffen wie Solidarität, Gerechtigkeit, Gleichheit und Verantwortung in die Überlegungen mit einzubeziehen hat, alles Begriffe, mit deren Umgang letzten Endes auch die Konstanten für die demokratisch-zivilisatorische Entwicklung einer Gesellschaft festgelegt werden.

Wie wollen, wie können und wie sollen wir uns also eine Zukunft in Freiheit und mit Würde vorstellen? Was ist dafür zu tun?