Fritz Schornstein
Fritz Schornstein
"Hallo! Hallo, ja Sie dort unten! Schauen Sie doch mal hoch! Ja richtig, ich bin es - Fritz Schornstein. Ganz schön groß, nicht wahr? 58 Meter sind es immerhin. Ich weiß, ich sehe jünger aus, aber ich bin tatsächlich schon 115 Jahre alt. Sie können sich bestimmt vorstellen, dass ich hier schon einiges erlebt habe. Von 1885 bis 1890 baute Friedrich Friedrichsmeyer eine Handstreich-Ziegelei auf - und natürlich mich. In der Ziegelei Friedrichsmeyer wurden sogenannte Backsteine hergestellt. Den Ton für die Steine entnahmen die Arbeiter aus dem anstehenden Erdreich. Aufgrund der geologischen Voraussetzungen im unteren Werretal galt der Bereich Gohfeld-Melbergen als Backsteinzentrum. Eines sage ich Ihnen: Ohne mich hätte das hier gar nicht funktioniert! Damals hatte ich so viel zu tun, dass mir ständig der Kopf geraucht hat, obwohl es um die Jahrhundertwende auch viele kleinere Ziegeleien gab. Nach dem 1. Weltkrieg blieb nur noch die Ziegelei von Friedrich Friedrichsmeyer bestehen. Von dort an produzierten und transportierten wir für die hiesige Gegend Backsteine. In den 30er Jahren beschäftigte Herr Friedrichsmeyer rund 40 Arbeiter in seinen Fabrikgebäuden. Damals transportierten vier Fuhrleute auf schweren hölzernen Pferdewagen bis zu 10.000 Backsteine am Tag in die Löhner und Bad Oeynhausener Umgebung. In den darauf folgenden Jahrzehnten wurde unser Betrieb durch Maschinenfertigung und Automatisierung ständig erweitert und modernisiert. Ein Trecker mit Anhänger ersetzte die acht Zugpferde. Diese Entwicklung war ja ganz interessant, aber mir hat sie die Arbeit nicht gerade erleichtert ... Und ersetzen konnten diese neumodischen Apparate mich schon lange nicht!
1986 wurde ich dann in den Ruhestand geschickt – die Ziegelei stellte den Betrieb ein. An mir hat das natürlich nicht gelegen. Zurück blieben nur die Ruinen – und ich. Weil das Geld für eine Sanierung fehlte und eine Folgenutzung nicht in Sicht war, entwickelte sich um mich herum, z.B. in der Tongrube, ein Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Meine Güte, das war vielleicht langweilig, dem Gras beim Wachsen zuzuschauen. Das war nichts für einen Schornstein von Welt! Dann, 14 Jahre nach meiner Pensionierung, durfte ich endlich wieder etwas erleben: Die Landesgartenschau 2000 Aqua Magica in Bad Oeynhausen und Löhne! Für die wurde um mich herum erst einmal ordentlich, ordentlich aufgeräumt. Aber mich haben sie natürlich stehen gelassen und sogar herausgeputzt. Als Denkmal quasi. Ab diesem Zeitpunkt diene ich vielen Besuchern als Treffpunkt. Schließlich bin ich das höchste Bauwerk hier im Park. Neben mir wurde übrigens der Veranstaltungsplatz angelegt. Eine etwa 40 x 50 Meter große Fläche auf der einige spannende Feste und Veranstaltungen stattfinden. Viel aufregender und bunter als früher die Fabrik – das sage ich Ihnen! Sowieso werden die Leute hier einiges zu sehen kriegen: Die Allee des Weltklimas, die vielen verschiedenen Gärten, den Wasserkrater und und und. Aber eines ist natürlich klar: Der Star der Aqua Magica bin ich – deshalb werde ich hier abends auch beleuchtet ...“
